ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Der Hausarzt: Lotse ohne Steuer
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Der Lotse in der Schifffahrt geht an Bord und übernimmt Kommando und Verantwortung. Der Hausarzt, der einen Patienten zum Facharzt überweist, übernimmt keines von beiden. Er unterschreibt ein Blatt Papier. Dafür kassiert er 35 Euro Honorar und ein Verordnungsbudget von 45 Euro beim Mitglied und 145 Euro beim Rentner.

Der beauftragte Facharzt übernimmt dann Untersuchung, Diagnosestellung und Behandlung drei Monate für ein „Honorar“ von 13,50 Euro (Hautarzt) bis 35 Euro (Chirurg).

Ist der Hausarzt noch ein kleines Cleverle (und davon kenne ich einige), so schwatzt er seinem Patienten noch einen schwachsinnigen Check-up (+ 25 Euro) plus Hautkrebsvorsorge (+ 22 Euro) auf. Wenn wir schon beim lustigen Kassieren sind, dichten wir dem ahnungslosen Patienten noch eine chronische Emphysembronchitis an – neudeutsch COPD plus DMP (+ 30 Euro), und der Gesamtbetrag summiert sich auf 112 Euro, davon 77 Euro außerhalb des Abrechnungsbudgets.

Nicht zu vergessen die Verordnungsvolumina! Bei 100 solchen Scheinpatienten im Quartal – die sind schnell beisammen – gibt das einen Betrag zwischen 7 000 Euro und 12 000 Euro, die der lustige Hausarzt bei seinen eigenen Patienten verprassen darf . . .

Ein wahrhaft nobler Geldaufwand für eine „Medizin“, über deren Niveau sich eine Krankenschwester schämen würde. Wobei das Schamgefühl bei einem Gutteil der deutschen Ärzteschaft eher rudimentär angelegt zu sein scheint, Gott sei Dank wird es bei diesen Kollegen durch ein ausgeprägtes Gewinnstreben überkompensiert . . .
Dr. Klaus W. Hartmann, Hüttenstraße 1, 40215 Düsseldorf
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