ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Individualmedizin: Unzutreffend
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Der Internist und Kardiologe Dr. med. Christoph Spielberg kommentiert im Rahmen dieses Beitrags auch das Beispiel „erblicher Brustkrebs“ – nur leider völlig unzutreffend. Im Rahmen der genetischen Beratung kann Patientinnen und deren Angehörigen in einem ca. einstündigen Gespräch, das mit einer Ordinationsgebühr (EBM-Ziffer 11211) in Höhe von 1 175 Punkten (ca. 30,00 Euro) vergütet wird, die individuelle Situation umfassend aufgezeigt werden. Dabei kann unter anderem für die nicht erkrankten Familienangehörigen das individuelle Brustkrebsrisiko berechnet werden. Wenn dieses lebenslang 30 Prozent übersteigt, können besondere Früherkennungsmaßnahmen – auch z. B. die jährliche kernspintomografische Untersuchung der Brust – in Anspruch genommen werden. Diese spezielle Vorsorge kann dann schon im frühen Erwachsenenalter beginnen. Damit versucht man, die Sicherheit für solche Patientinnen zu erhöhen. Bei bestimmten Konstellationen in der Familie (z. B. zwei blutsverwandte Frauen mit Brustkrebs, eine muss vor dem 51. Lebensjahr erkrankt sein) kann eine Gentestung durchgeführt werden. Wenn eine krankheitsursächliche Mutation identifiziert wird, ist das Risiko für Angehörige klarer bestimmbar: Bei ebenfalls vorliegender Mutation ca. 80 Prozent lebenslang für Brustkrebs, bei Ausschluss einer Mutation leicht unter der Normalbevölkerung. -Prophylaktische Operationen – gerade der Brust – werden in Deutschland sehr zurückhaltend angewendet und nur von einem kleinen Teil der „Risikopatientinnen“ in Anspruch genommen. Die Entfernung der Eierstöcke ist in manchen Situationen empfehlenswert und stellt keinen „schweren Eingriff“, wie von Spielberg behauptet, dar. Ich selbst arbeite seit 1997 schwerpunktmäßig auf dem Gebiet erblicher Krebserkrankungen und habe die Erfahrung gemacht, dass man als Facharzt für Humangenetik zur Beruhigung solcher Familien und Patientinnen beitragen kann. Durch die Beratung fühlen sich die Patientinnen besser informiert, was meinem Eindruck nach auch die Compliance für empfehlenswerte spezielle Maßnahmen erhöht. Meiner Ansicht nach sollten Patientinnen mit familiärer Häufung von Krebserkrankungen deshalb eher großzügig zur Beratung an einen spezialisierten Facharzt für Humangenetik überwiesen werden.

Literatur bei dem Verfasser
PD Dr. med. Peter Meyer, Institut für Molekulare Medizin, Sperberstraße 2, 81827 München
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