ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Kunst und kalter Krieg – Deutsche Positionen 1945–1989: Zwischen den Ideologien

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Kunst und kalter Krieg – Deutsche Positionen 1945–1989: Zwischen den Ideologien

Jaeschke, Helmut

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LNSLNS Mit der Ausstellung ist eine Neubewertung der Kunst in den beiden Staaten etabliert worden.

Als Anfang des Jahres das Kunstmagazin „Art“ die Ausstellung „Art of Two Germanys – Cold War Culture“ im Los Angeles County Museum ankündigte, fielen dem zuständigen Redakteur lediglich die Namen von vier westdeutschen teilnehmenden Künstlern ein. Von den beteiligten ostdeutschen Künstlern wurden weder Mattheuer noch Heisig noch Tübke der Erwähnung wert befunden. Angesichts solch weitverbreiteter Unkenntnis oder aber bewusster Ignoranz gegenüber der DDR-Kunst fragte Eduard Beaucamp (Frankfurter Allgemeine Zeitung) in seinem Hinweis auf die Ausstellung zu Recht: „Müssen uns nun wieder die Amerikaner an die Hand nehmen und zeigen, wie man mit solch doppeltem Erbe umgeht?“

Gerade das Leiden an der politischen Situation hat bei vielen Künstlern in der DDR die besten kreativen Kräfte geweckt. Ein Beispiel dafür ist Wolfgang Mattheuers „Kain“ aus dem Jahr 1965.Foto: Wolfgang Mattheuer, Kain, 1965*
Gerade das Leiden an der politischen Situation hat bei vielen Künstlern in der DDR die besten kreativen Kräfte geweckt. Ein Beispiel dafür ist Wolfgang Mattheuers „Kain“ aus dem Jahr 1965.
Foto: Wolfgang Mattheuer, Kain, 1965*
Nachdem die von der Kuratorin Stephanie Barron und Eckhart Gillen als Kokurator betreute Ausstellung zur Kunst in Deutschland zwischen den Ideologien mit großem Erfolg in Los Angeles und danach im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg gelaufen ist, folgte ab 3. Oktober das Deutsche Historische Museum Berlin als dritte Station. Und schon jetzt zeigt sich, dass mit dieser Präsentation eine Neubewertung der Kunst in den beiden deutschen Staaten etabliert worden ist.

Neue Facetten
Einerseits beweist die Ausstellung, dass sich vor allem die Maler der Leipziger Schule frühzeitig dem -sozialistischen Realismus sowjetischer Prägung widersetzt haben, und gleichzeitig wird damit die noch kürzlich in der Berliner Ausstellung „60 Jahre – 60 Werke“ vertretene These widerlegt, dass nur in einem freien Land freie Kunst entstehen könne. Das Gegenteil scheint bei vielen DDR-Künstlern der Fall gewesen zu sein, gerade das Leiden an der politischen Situation, der stete Kampf gegen Bevormundung und Gängelung hat die besten kreativen Kräfte geweckt. Man denke nur an die Bilder „Kain“ und „Erschrecken“ von Mattheuer oder „Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze“ von Tübke in der Ausstellung.

Andererseits erhält aber auch der Blick auf die westdeutsche Kunstszene durch die fundierten Analysen der amerikanischen Kunsthistoriker neue Facetten. In ihrem klugen Katalogtext „Die Kunst eines Wunders. Eine Geschichte des deutschen Pop 1955–1972“ stellt Christiane Mehring, Kunsthistorikerin an der Universität Chicago, die immense Bedeutung Konrad Klaphecks heraus. Bereits 1955 hat sich Klapheck dem in Westdeutschland nicht weniger rigide inszenierten Alleinvertretungsanspruch der Abstraktion entgegengestellt und begonnen, seine emotional aufgeladenen Maschinenbilder zu malen, womit er zu einem Wegbereiter der Pop-Art wurde und nach Ansicht Mehrings auch die Entstehung der Œuvres so bekannter Künstler wie Gerhard Richter und Sigmar Polke entscheidend beeinflusst hat.

Ein Besuch dieser Ausstellung ist unbedingt zu empfehlen, ebenso der Erwerb des begleitenden Katalogbuches. Zu wünschen wäre nur gewesen, dass die Ausstellung im angemesseneren Rahmen eines bedeutenden Kunstmuseums wie zum Beispiel der Neuen Nationalgalerie Berlin gezeigt worden wäre. Aber so viel Anerkennung für die „DDR-Kunst“ kann man auch 20 Jahre nach der Wende von westdeutschen Museumsdirektoren nicht erwarten. Erst kürzlich hat Kasper König, Direktor des Kölner Museums Ludwig, in einem Interview der Zeitschrift „Art“ es für richtig befunden, dass die von Peter Ludwig frühzeitig und mit sicherem Gespür für Qualität gekauften Werke der DDR-Malerei bis auf wenige Ausnahmen im Depot verbleiben. Die Ausstellung ist bis 10. Januar 2010 im Deutschen Historischen Museum zu sehen. Informationen www.dhm.de.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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