ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Onkologie: Psyche hilft Körper

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Onkologie: Psyche hilft Körper

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Onkologische Patienten sind unterversorgt in Bezug auf eine professionelle seelische Unterstützung. Eine interdisziplinäre Initiative möchte das ändern.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 436 000 Frauen und Männer mit der Diagnose einer Krebserkrankung konfrontiert. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen bringen der Befund und die nachfolgende Behandlung nicht nur eine erhebliche körperliche, sondern auch eine starke psychische Belastung mit sich. Nach Einschätzung von Experten ist circa ein Drittel aller Krebspatienten im Krankheitsverlauf psychisch so stark belastet, dass sie eine psychoonkologische Betreuung benötigen. Tatsächlich erhalte jedoch nur ein Viertel dieser Patienten eine angemessene psychologische Betreuung, berichtet Dr. Pia Heußner, Oberärztin und Leiterin der Psychoonkologie am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Psychische Reaktionen im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung hätten ihren Ausgang oftmals im Verlust der sozialen Rolle des Patienten in der Partnerschaft oder der Familie, aber auch im Bekanntenkreis und im Beruf, erläuterte Heußner. Durch die Krankheit werde das Selbstwertgefühl des Menschen gefährdet, und auch das Körperbild könne sich je nach Art der Erkrankung mehr oder weniger stark verändern. Sexualität, Vitalität und Normalität seien nicht mehr so wie früher. Das alles erfordere erhebliche Anpassungsleistungen von den Betroffenen, die viele allein nicht bewältigen könnten.

Im Zusammenhang mit einer Therapie können bei individuellen Patienten subsyndromale Symptome, wie Schlafstörungen, Schmerzen, Übelkeit, Unruhe oder Fatigue, auftreten, die durch die Nebenwirkungen der Therapie allein nicht zu erklären sind und die eventuell durch die psychische Befindlichkeit des Patienten verstärkt werden. Häufig träten auch psychische Komorbiditäten wie eine Depression oder Angststörungen auf, die den Patienten daran hinderten, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen, berichtete Heußner in München.

Vor diesem Hintergrund haben sich jetzt Onkologen, Psychoonkologen und Betroffene zu einer Initiative „Psyche hilft Körper“ zusammengeschlossen. Ziel der Initiative ist es, die Psychoonkologie im Sinne einer ganzheitlichen Behandlung stärker in der onkologischen Therapie zu verankern. Dazu hat die Initiative, die von Glaxo-smithkline unterstützt wird, jetzt ein Verzeichnis mit den Adressen von mehr als 220 Psychoonkologen in ganz Deutschland erstellt, das demnächst an onkologische Praxen und Kliniken und an Selbsthilfegruppen verschickt werden soll.
Jürgen Stoschek
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