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Börsebius: Linke Tour

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LNSLNS Offene Immobilienfonds zählten früher zu den Wertanlagen, die zwar als etwas langweilig galten, aber gleichwohl stockkonservativ daherkamen. Die jährlichen Renditen waren durchaus nicht üppig, aber doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit einzubuchen, kurzum: zum Ruhigschlafen genau das Richtige.

Diese güldenen Zeiten waren spätestens dann vorbei, als im Zuge der Finanzkrise Ende Oktober 2008 die ersten offenen Immobilienfonds einfach die Tür zumachten und temporär geschlossen wurden; über Monate kam keiner mehr raus. Die Liquidität war in der Falle, die Anleger waren perplex.

Just als sich in der Branche die Situation zu entspannen schien, platzte die Bombe gewissermaßen gleich zweifach. An einem Dienstagnachmittag, genauer am 17. November 2009, meldete Aberden-Immobilien, die Rücknahme für den Fonds Degi International sei ausgesetzt. Zwei Tage später ereilte das gleiche Schicksal den Fonds einer anderen Gesellschaft, nämlich den Axa-Immoselect.

Der Grund für die Aussetzung war offenbar eine knappe Kasse, vornehm Liquiditätsnot genannt. Das Investmentgesetz schreibt vor, dass ein offener Immobilienfonds mindestens fünf Prozent seines Vermögens in der Kasse halten muss. Wenn dann zu viele Anteile zulasten der Barschaft zurückgegeben werden, müsste der Fonds an das Eingemachte gehen, also Objekte verkaufen, die aber in der derzeitigen Konjunkturlage nur sehr schlecht unter die Leute gebracht werden können. Als Notnagel greift die Fondsgesellschaft dann eben zum drastischen Mittel der Schließung des Fonds.

Nun könnte der Betrachter das Drama als persönliches Pech jedes konkreten Betroffenen erachten, geschlossen ist eben geschlossen, und seufzend zur Tagesordnung übergehen. Warum sollte es diesen Anlegern besser oder schlechter ergehen als Tausenden anderer Leidensgenossen?

Doch hier liegt der Fall um einiges anders. Selbst wer noch vor der Schließung der beiden Fonds Verkaufsaufträge erteilte, sah am Ende bass erstaunt in die Röhre, weil die Orders noch rückwirkend storniert wurden.

Wie bitte? Rückwirkend storniert bedeutet doch, dass der Anleger dem Wohl und Wehe der Depotbank als in diesem Fall verlängerten Arm der Fondsgesellschaft ausgeliefert ist und sich nicht darauf verlassen kann, dass ein Auftrag vor Eintreten eines bestimmten Ereignisses ausgeführt wird. Es geht hier im Übrigen nicht um die berühmten Peanuts. Allein die ausgesetzten und rückwirkend stornierten Axa-Fondsverkäufe bewegen sich um die zwei Milliarden Euro.

Das alles sei sogar rechtens, meint die Hamburger Börse trotzig, es sei nach ihren Geschäfts-bedingungen ausdrücklich erlaubt, Orders rückwirkend zu stornieren, um – Achtung! – „die Makler zu schützen“. Einmal abgesehen davon, dass diese Rückabwicklungsmöglichkeit juristisch als sogenannte überraschende Klausel stranden kann, ist diese Verhohnepiepelung des Anlegers eine ziemlich linke Tour.
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