ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 5/2009Gold, Silber & Co.: Depotschmuck in unsicheren Zeiten

SUPPLEMENT: PRAXiS

Gold, Silber & Co.: Depotschmuck in unsicheren Zeiten

Karow, Tobias M.

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LNSLNS Solange die Geldmengen weltweit aufgeblasen werden und vor allem Gold seinen Charakter als letzter Hort einer kaufkraftstabilen Währung zurückerlangt, dürften die Preise für Gold & Co. weiter anziehen – unterbrochen von einigen, schmerzhaften Preiskorrekturen.

Foto: vario images
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Napoleon hat zur Finanzierung seiner Feldzüge Schuldverschreibungen ausgegeben. Wer heute so ein Papier sein Eigen nennt, hat einen hübschen Wandschmuck, mehr nicht. Das von Napoleon erbeutete Gold aber hatte damals seinen Wert und hat diesen bis heute erhalten. Gold ist also weit mehr als ein reines Spekulationsobjekt.

Gold ist nicht teuer. Nominal liegen die jetzigen Preise mit mehr als 1 000 US-Dollar zwar über jenen aus dem Jahr 1980, als die letzte große Gold- und Silberspekulation ihren Höhepunkt erreichte. Kaufkraftbereinigt jedoch müsste der Goldpreis bei knapp 2 500 US-Dollar je Feinunze notieren, um mit dem damaligen Hoch verglichen werden zu können. Insofern ist die 1 000-US-Dollar-Marke zwar psychologisch bedeutsam, fundamental hat sie aber keine Aussagekraft.

Freilich gibt es derzeit einen gewissen spekulativen Überhang; von einer Euphorie ist der Goldmarkt aber weit entfernt. Während hierzulande aus Angst vor einer Teuerungswelle hier und da Vermögen in Gold umgeschichtet wird und die Chinesen nicht uneigennützig ihre Landsleute zum Goldkauf in extra dafür eingerichteten Verkaufsstätten animieren, ist in den USA kein Gold-Run zu verzeichnen. Erstaunlich ist dabei, dass gerade die USA mit ihrer Verschuldungsorgie die Kaufkraft ihres Dollars Stück für Stück aufweichen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen überbordenden Schuldenberg abzutragen, und die Amerikaner scheinen sich für die Inflationierung entschieden zu haben.

In diesem monetären Umfeld sind nun reale Investments zu bevorzugen. Das liquideste Anlagevehikel sind hierbei die Edelmetalle, also neben Gold noch Silber, Platin und Palladium, wobei letztere durch ihre Art der Verwendung stärker mit den konjunkturellen Zyklen verzahnt sind.

Grafik: Bundesverband Deutscher Banken
Grafik: Bundesverband Deutscher Banken
Gold unterliegt zwar einem Preisrisiko, aber es ist über alle Bonitätszweifel erhaben. Auch der Vorwurf, Gold zahlt keine Zinsen, verfängt bei genauerem Hinsehen kaum. Jemand der in den 20er-Jahren Staatsanleihen mit hohen Kupons gezeichnet und damit sein gesamtes Vermögen verloren hat, hätte sicherlich auf die Zinszahlung verzichtet, wenn dafür sein Kapital weitestgehend erhalten worden wäre. Für die kurzfristigen Schwankungen ist beim Gold auch die Produktion der Industrie verantwortlich. Und diese fällt seit 2001 kontinuierlich. Damals, bei Goldpreisen um 200 US-Dollar, lohnten sich viele Minenprojekte einfach nicht. Im Zuge der Finanzkrise nun können neue Minen nicht mehr finanziert werden. Auch in den kommenden vier bis fünf Jahren ist also mit einem rückläufigen Ausstoß zu rechnen – selbst wenn die Chinesen ihre Produktion ausweiten und mittlerweile Südafrika als größten Goldproduzenten der Welt abgelöst haben. Das Reich der Mitte erkennt zudem den Verfall der Währungen im Westen gegenüber dem Gold und baut mit dem Aufbau der Goldbestände vor.

Wie reagiert ein Anleger auf diese Gemengelage? Er kauft sich physisches Edelmetall bei bankenunabhängigen Händlern, oder aber kostengünstige „Exchange Traded Commodities“ (ETC). Letzteres sind Schuldverschreibungen, die mit physischem Gold hinterlegt sind. ETC vollziehen die Wertentwicklung des Goldpreises 1:1 nach. Anders als „Exchange Traded Funds“ (börsengehandelte Indexfonds) sind ETC kein Sondervermögen, sondern besicherte Schuldverschreibungen. Das minimiert zwar das Emittentenrisiko, schließt es aber nicht aus.

Fonds für Goldaktien, wie etwa der BlackRock World Gold oder der DJE Gold & Ressourcen, sind klassische Aktienfonds, die natürlich dann leiden, wenn die Aktien von Goldunternehmen im Kurs schwächeln. Bei beiden Fonds sind eher reinrassige Produzenten prominent vertreten. Der Anteil an Hoffnungswerten ist denkbar gering. Hoffnung heißt im Edelmetallbereich Exploration und ist mit hohen Risiken verbunden. Im Jahr 2008 sind viele Kleinstwerte förmlich implodiert. Auf Einzelwertebene lassen langfristig die Major-Produzenten Investoren am ruhigsten schlafen. Titel wie Barrick Gold, Buenaventura, IAM Gold oder Pam American Silver verfügen über einen langjährigen Leistungsnachweis und haben bewiesen, in einem Umfeld mit steigenden Edelmetallpreisen und Produktionskosten bestehen und expandieren zu können.

Solange Geldmengen weltweit aufgeblasen werden, die Edelmetallproduktion weiter rückläufig ist und vor allem Gold mehr und mehr seinen Charakter als letzter Hort einer kaufkraftstabilen Währung zurückerlangt, dürften die Preise für Gold & Co. weiter anziehen – unterbrochen von einigen, schmerzhaften Preiskorrekturen. Diese gilt es auszusitzen oder für Nachkäufe zu nutzen. Tobias M. Karow
E-Mail: tmk@apartportfolio.com
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