ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2009Bedarfsplanung: Lücken bei Haus- und Fachärzten

POLITIK

Bedarfsplanung: Lücken bei Haus- und Fachärzten

Kopetsch, Thomas

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LNSLNS In den vertragsärztlichen Planungsbereichen hat sich auf den ersten Blick wenig verändert. Allerdings zeigen sich auch bei den Fachärzten bereits erste Lücken in der Versorgungsdichte.

Die Zahl der nicht gesperrten Planungsbereiche insgesamt ist mit durchschnittlich acht Prozent gleich geblieben. Dabei hat sich bei neun Arztgruppen die Zahl der offenen Planungsbereiche verringert, bei zwei Arztgruppen (Kinder- und Hausärzte) gab es keine Veränderung, und bei drei Facharztgruppen hat sich die Anzahl der offenen Planungsbereiche erhöht (Augen-, HNO- und Hautärzte).

Großstädte noch offen für Hausarztniederlassungen
Die Entwicklung bei den Hausärzten ergibt ein gespaltenes Bild. Einerseits ist die Anzahl der nicht -gesperrten Planungsbereiche mit 53 Prozent unverändert geblieben – 210 von 395 Planungsbereichen sind für hausärztliche Niederlassungen offen. Gleichzeitig ist die Zahl der Niederlassungsmöglichkeiten von 2 031 auf 2 026 gesunken. Andererseits hat die Zahl der „überzähligen“ Ärzte, dies sind Ärzte, die über der zulässigen Zahl an Ärzten im Planungsbereich zugelassen sind, von 813 im Jahre 2008 auf 810 abgenommen. Auffällig ist, dass in so attraktiven Städten wie Hamburg, Köln, Frankfurt/M., Dresden, Stuttgart, Düsseldorf und Erfurt Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte existieren.

Für Hausärzte herrscht damit weitgehende Niederlassungsfreiheit – bei einer faktischen Niederlassungssperre für Fachärzte. Lediglich die ärztlichen Psychotherapeuten haben noch sehr gute Niederlassungsmöglichkeiten. Für sie sah das Gesetz (§ 101 Abs. 4 SGB V) eine Mindestquote von 40 Prozent vor, die allerdings Ende 2008 auslief beziehungsweise zum 1. Januar 2009 auf 25 Prozent abgestuft wurde. Daraus ergaben sich rechnerische Niederlassungsmöglichkeiten für 1 227 ärztliche Psychotherapeuten.

Bei fast allen anderen Arztgruppen hat sich die Anzahl der Niederlassungsmöglichkeiten verringert – mit Ausnahme der Augen-, Haut- und der Kinderärzte. In den vergangenen Jahren hatten die Anästhesisten noch vergleichsweise gute Niederlassungsmöglichkeiten. Dies gehört inzwischen auch der Vergangenheit an: Die Zahl der offenen Planungsbereiche für diese Facharztgruppe ist in diesem Jahr nochmals gesunken, von fünf Prozent auf drei Prozent. Im Jahr 2004 lag der entsprechende Anteil noch bei 21 Prozent. Die Zulassungsmöglichkeiten der Augen-, Nerven-, Frauen-, HNO-, Haut- und Kinderärzte übersteigen mittlerweile die der Anästhesisten. Die höchste Zahl an Niederlassungsmöglichkeiten – nach Hausärzten und Psychotherapeuten – entfällt mit 122 auf die Augenärzte.

Inzwischen gibt es in der hausärztlichen Versorgung 15 Planungsbereiche, für die insgesamt oder teilweise Unterversorgung festgestellt wurde. Jeweils sechs davon liegen in Brandenburg und Thüringen, drei in Sachsen. Aber auch in der fachärztlichen Versorgung existieren bereits Lücken. Bei den Augenärzten wurde für acht Planungsbereiche eine Unterversorgung festgestellt, bei den Kinderärzten waren es fünf und bei den Frauenärzten und Hautärzten je einer.

Seit 2002 ist die Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland rückläufig. Dies macht sich, wenn auch mit etwas Verzögerung, in der Bedarfsplanung bemerkbar. Die höchste Anzahl rechnerischer Arztsitze wurde im Jahr 2005 erreicht. Seitdem ist sie um 211 Sitze zurückgegangen. Bedingt durch die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung in den Planungsbereichen kam es sowohl zu Abnahmen als auch Zunahmen der Arztsitze bei den Arztgruppen.

64 zusätzliche Arztsitze gab es bei den Psychotherapeuten (einschließlich Psychologischer Psychotherapeuten), während es bei den Hausärzten zu einer Abnahme von 237 Arztsitzen kam. Diese Abnahme ist wohl mit ein Grund dafür, dass sich die Anzahl offener Planungsbereiche bei den Hausärzten trotzt gesunkener Arztzahlen nicht erhöht hat. Bei den anderen Arztgruppen gab es nur leichte Veränderungen: Anästhesisten +4, Augenärzte +3, Chirurgen –3, fachärztlich tätige Internisten +5, Frauenärzte –6, HNO-Ärzte –20, Hautärzte –9, Kinderärzte –18, Nervenärzte +10, Orthopäden –3, Radiologen +3 und Urologen –4.

Lokaler Vesorgungsbedarf in überversorgten Gebieten
Im Jahr 2008 wurden diverse Änderungen an der Bedarfsplanungsrichtlinie vorgenommen. So muss der Gemeinsame Bundes­aus­schuss in der Richtlinie die allgemeinen Voraussetzungen regeln, nach denen die Landesausschüsse der Ärzte und Krankenkassen einen zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf in nicht unterversorgten Planungsbereichen feststellen können. Mit dieser auf das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz zurückgehenden Neuerung wird die Zahlung von Sicherstellungszuschlägen an Vertragsärzte ermöglicht, wenn der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen einen zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf festgestellt hat.

Der Landesausschuss hat zunächst die Bezugsregion festzulegen, für die die Feststellung getroffen werden soll. Liegen rein rechnerisch in der Bezugsregion die Kriterien der Unterversorgung der Bedarfsplanungs-Richtlinie vor, so hat der zuständige Landesausschuss die Prüfung eines Vorliegens lokalen Versorgungsbedarfs unverzüglich einzuleiten. Darüber hinaus muss eine gemeinsame Prüfung der Struktur und des Standes der ärztlichen Versorgung auch dann erfolgen, wenn andere Anhaltspunkte für einen lokalen Versorgungsbedarf bestehen.

Altersstruktur gibt Hinweise auf drohende Defizite
Es gibt eine Reihe von Kriterien, mit deren Hilfe eine lokale Unterversorgung festgestellt werden kann. Zunächst soll geprüft werden, ob der Stand der hausärztlichen Versorgung den in den Planungsblättern ausgewiesenen Bedarf um mehr als 25 Prozent und der Stand der fachärztlichen Versorgung den Bedarf um mehr als 50 Prozent unterschreiten. Trifft das zu, dann kann eine Unterversorgung vermutet werden. Eine Unterversorgung droht, wenn insbesondere aufgrund der Altersstruktur der Ärzte eine Verminderung der Zahl von Vertragsärzten in einem Umfang zu erwarten ist, der zum Eintritt einer Unterversorgung nach den vorgenannten Kriterien führen würde. Daneben sind die Tätigkeitsgebiete und die Altersstruktur der Ärzte sowie das ergänzende Angebot ambulanter Leistungen durch Krankenhäuser in der Bezugsregion zu berücksichtigen. Schließlich sollen auch die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen sowie der Ort der tatsächlichen Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen durch die Wohnbevölkerung in die Prüfung einbezogen werden.

Eine weitere Änderung der Bedarfsplanungs-Richtlinie ist ebenfalls auf das Vertragsarztrechts-änderungsgesetz zurückzuführen. Das Gesetz ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen die Anstellung fachfremder Assistenten in der Arztpraxis. In nicht gesperrten Planungsbereichen ist künftig auch eine Überkreuzanstellung zwischen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten möglich. Für Praxen in einem wegen Überversorgung gesperrten Planungsbereich besteht die Regelung nach altem Recht fort, die für die Anstellung eines Assistenten Fachidentität mit dem anstellenden Vertragarzt sowie die Erklärung über eine Leistungsbegrenzung der Praxis erfordert.
Dr. rer. pol. Thomas Kopetsch
Kassenärztliche Bundesvereinigung
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