ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2009DDR: Unerträgliche Vorstellung
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LNSLNS Ja, was ist eigentlich aus den Tätern von damals geworden? Vor einigen Monaten hatte ich Gelegenheit, das ehemalige Stasigefängnis Hohenschönhausen anzusehen. Geführt wurden wir von einem Mann mittleren Alters, der in jungen Jahren (wegen versuchter Republikflucht mit 19 Jahren) dort einsaß und der psychischen Folter ausgesetzt war. Vor dieser Führung hatte ich mir zu diesem Thema wenig Gedanken gemacht. Umso erschütterter nahm ich wahr, dass dieser Mensch offensichtlich immer noch unter den Folgen dieser psychischen Misshandlungen litt und eindeutig eine posttraumatische Belastungsstörung aufwies. Sein Leben scheint als Folge dieses Gefängnisaufenthaltes weitgehend zerstört zu sein. Aufgrund dieser Begegnung, begann ich mir zum ersten Mal die Frage zu stellen, was eigentlich aus den Kollegen, den Psychologen und Psychiatern nach der Wende wurde, die diese hocheffektiven, grauenhaften psychischen Foltersysteme mitausgedacht und mitangewandt hatten. Eine Antwort, die ich auf diese Frage bekam: Einige davon sind niedergelassene Psychotherapeuten in der Umgebung. Ich finde diese Vorstellung – aus der Sicht der Opfer sowieso – aber auch als Kollegin unerträglich.
Dipl.-Psych. Ursula Kohler, Augsburger Straße 2, 89231 Neu-Ulm
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