ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2009Akne: Erheblicher Leidensdruck

WISSENSCHAFT

Akne: Erheblicher Leidensdruck

Sonnenmoser, Marion

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Hauterkrankungen können für die Betroffenen zu einem großen psychischen Problem werden. Viele schämen sich zum Beispiel für ihr Äußeres. Foto: iStockphoto
Hauterkrankungen können für die Betroffenen zu einem großen psychischen Problem werden. Viele schämen sich zum Beispiel für ihr Äußeres. Foto: iStockphoto
Die Hauterkrankung „Akne vulgaris“ ist oftmals mehr als nur ein harmloses, dermatologisches Problem. Zahlreiche betroffene Jugendliche haben ein vermindertes Selbstwertgefühl.

Akne vulgaris wird gerne als lästige, aber an sich harmlose Hauterkrankung im Jugendalter angesehen. Sie gilt vorwiegend als dermatologisches Problem, daher werden ihre Auswirkungen auf die Psyche in der Regel ignoriert oder unterschätzt. Wie Studien zeigen, kann Akne jedoch einen ganz erheblichen Leidensdruck verursachen. So haben beispielsweise Wissenschaftler der University of Bath (Großbritannien) durch Befragung von 50 Akne-Patienten herausgefunden, dass diese sich aufgrund der entstellenden Pickel und Pusteln sehr schämten, kaum aus dem Haus trauten und Freizeitunternehmungen oder sportliche Aktivitäten vermieden. Ihr Selbstwertgefühl war stark vermindert, und sie hatten Angst, durch ihr Äußeres unangenehm aufzufallen und von anderen verspottet und abgelehnt zu werden. Manche Patienten litten daher nicht nur unter Ängsten und sozialer Isolation, sondern auch unter Bewegungsmangel. Eine Studie mit 9 567 neuseeländischen Jugendlichen zeigte, dass Betroffene, die ihre Akne als Problem ansahen, stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt waren und teilweise ernsthafte psychische Probleme entwickelten. Besonders Jugendliche, die sehr unter der Akne litten, waren relativ stark von depressiven Verstimmungen und Ängsten betroffen, hegten Suizidgedanken oder hatten bereits Suizidversuche ausgeführt. Studien mit kroatischen und türkischen Akne-Patienten belegten darüber hinaus, dass Akne mit erheblicher Unzufriedenheit mit dem Äußeren einhergeht, die sich in manchen Fällen zu einer körperdysmorphen Störung steigern kann; in der türkischen Stichprobe war knapp jeder zehnte Patient gleichzeitig von Akne und einer körperdysmorphen Störung betroffen.

Verschiedene Persönlichkeitseigenschaften können dazu beitragen, dass Akne als starke Beeinträchtigung erlebt wird. So fanden US-amerikanische Wissenschaftler heraus, dass Akne-Patienten mit einer hohen „sozialen Sensitivität“ die verbalen und nonverbalen Signale anderer Personen sehr schnell erfassen und zu oft als Ablehnung und Diskriminierung deuten, weil sie keine anderen Reaktionen erwarten. Sie übersehen dabei jedoch, dass ihre selektive Wahrnehmung fehlerhaft sein kann. Auch „Perfektionismus“ ist eine Eigenschaft, die das Leben mit Akne erschwert. Australische Psychologen haben anhand einer Befragung von 165 jungen Frauen herausgefunden, dass Akne dem Streben nach äußerer Perfektion, um sozial anerkannt zu werden, entgegensteht und daher den Leidensdruck der Betroffenen erhöht.

Es gibt jedoch auch Eigenschaften, die den Umgang und das Leben mit Akne erleichtern. Eine davon ist „kognitive Widerstandsfähigkeit“. Personen mit dieser Eigenschaft stehen dem Leben positiv gegenüber und empfinden Veränderungen eher als Herausforderung denn als Bedrohung. Außerdem führen sie Erfolge eher auf eigene Anstrengung, Misserfolge hingegen auf missliche äußere Umstände oder andere, externe Ursachen zurück. Sie fühlen sich daher auch nicht schuldig oder persönlich verantwortlich für ihre Akne. Die Psychologin Maureen Perrah aus Los Angeles untersuchte Akne-Patienten, bei denen diese Eigenschaft hoch ausgeprägt war. „Kognitiv widerstandsfähigen Akne-Patienten gelingt es relativ gut, sich an ihre Erkrankung anzupassen und mit ihr zu leben“, so die Wissenschaftlerin.

Nach Meinung von Experten sollten Hausärzte und Dermatologen, die Akne-Betroffene behandeln, aufmerksamer für die psychischen Belastungen durch Hauterkrankungen im Allgemeinen und durch Akne im Besonderen sein. Sie sollten sich nicht nur mit dem Hautbild, sondern auch mit der Psyche der Patienten befassen und diese direkt auf soziale und emotionale Probleme ansprechen. Zudem sollten sie potenziell schädigende Einstellungen und Missverständnisse ebenso berücksichtigen wie mögliche Ressourcen. Ganz besondere Aufmerksamkeit sollte Suizidabsichten beziehungsweise Suizidversuchen gelten. Eine engere, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Dermatologen, Psychotherapeuten und Psychiatern wäre darüber hinaus wünschenswert.
Dr. phil. Marion Sonnenmoser


Kontakt:
Tom Loney, School for Health, University of Bath, Claverton Down, Bath, BA2 7AY (GB), E-Mail: T.Loney@Bath.ac.uk
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