ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2009Psychotherapie: Falsche Erwartungen führen zu negativen Reaktionen

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Psychotherapie: Falsche Erwartungen führen zu negativen Reaktionen

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LNSLNS Falsche Erwartungen können zu negativen Reaktionen auf Psychotherapie führen. Zu diesem Ergebnis kamen Psychologen der University of Toledo, die zwei Experimente mit zwei nicht klinischen Stichproben aus der Normalbevölkerung durchgeführt haben. Sie fragten die Probanden, wie eine typische Psychotherapiesitzung abläuft, wie sich Patienten verhalten sollten und was in einer Psychotherapie geschieht. Die Wissenschaftler erwarteten, dass die Probanden – sofern sie gut über Psychotherapie informiert waren – typische Elemente und Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) beschreiben würden, da dieses Therapieverfahren weitverbreitet ist. Die Antworten der Probanden bezogen sich jedoch kaum auf KVT, sondern zumeist auf nondirektive oder psychodynamische Verfahren beziehungsweise auf keine bestimmte Therapieschule. Außerdem offenbarten sie große Wissenslücken. Die Probanden wussten beispielsweise nicht über Techniken, Aufgaben und Ziele einer Psychotherapie Bescheid. Darüber hin-aus hegten sie falsche Erwartungen an die Psychotherapie. Als die Probanden dann einige Therapiesitzungen erhielten, stellten sie fest, dass ihre Erwartungen nicht mit der Realität einer echten Therapie übereinstimmten und reagierten enttäuscht oder verärgert, unabhängig von der Art des eingesetzten Therapieverfahrens. „Die Gefahr ist groß, dass Compliance und Therapiemotivation durch mangelndes Wissen und falsche Erwartungen beeinträchtigt werden“, sagen die Autoren und raten, die Patienten vor der Therapie ausführlich über das jeweilige psychotherapeutische Verfahren zu informieren. ms

Seligman L et al: The effects of inaccurate expectations on experiences with psychotherapy. Cognitive Therapy & Research 2009; 33(2): 139–149
Laura Seligman, Dep. of Psychology, University of Toledo, Toledo, OH 43606 (USA), E-Mail: laura.seligman@utoledo.edu
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