ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2009Mitteilungen: Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin: Nationale Leitlinie „Unipolare Depression“ veröffentlicht

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mitteilungen: Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin: Nationale Leitlinie „Unipolare Depression“ veröffentlicht

PP 8, Ausgabe Dezember 2009, Seite 570

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LNSLNS Depressionen nehmen weltweit zu. Laut Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) werden unipolare Depressionen im Jahr 2030 die höchste Krankheitslast („Global Burden of Disease“) in der Weltbevölkerung verursachen – noch vor den ischämischen Herzerkrankungen. Das Risiko, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, liegt heute schon bei 16 bis 20 Prozent. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium nimmt an, dass vier Millionen Deutsche von einer Depression betroffen sind. Dabei ist die Dunkelziffer hoch: Nach den Ergebnissen einer WHO-Studie und des deutschen Gesundheitssurveys werden depressive Erkrankungen in etwa der Hälfte der Fälle nicht diagnostiziert, und selbst die diagnostizierten Fälle werden oft nicht adäquat behandelt. In den vergangenen Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Depression in Deutschland zwar deutlich verbessert, optimal abgestuft und abgestimmt zwischen haus-, fachärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung sind Diagnostik und Therapie aber immer noch nicht.

Um diese Lücke zu schließen, initiierte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) ein Leitlinien-Projekt, an dem möglichst viele Fachgesellschaften, Berufsgruppen und Patientenvertreter teilhaben sollten.

Experten aus den unten aufgeführten Fachgesellschaften und Organisationen erarbeiteten zwischen 2005 und 2009 gemeinsam die evidenzbasierte Leitlinie „Unipolare Depression“.

Das Projekt ist die erste Leitlinie, die gleichzeitig als S3-Leitlinie und als Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) entstand. Das Prädikat „S3“ erhalten Leitlinien von Fachgesellschaften, wenn sie sehr hohen methodischen und wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Das NVL-Programm wird von der Bundes­ärzte­kammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) getragen. Hierbei geben Experten anhand von evidenzbasierten Leitlinien Empfehlungen, die vor allem die fachübergreifende Versorgung von Patienten im deutschen Gesundheitssystem verbessern sollen. Durch die enge S3-/NVL-Kooperation konnten evidenzbasierte Grundlagen und Praxisanforderungen besonders eng miteinander verbunden werden.

Insgesamt enthält die Leitlinie 107 Empfehlungen und Statements zu den nachfolgend aufgeführten Themen, und zwar auf der Grundlage von 1 232 wissenschaftlichen Publikationen, deren methodische Güte diskutiert und bewertet wurde:

Themen der Nationalen VersorgungsLeitlinie/S3-Leitlinie Unipolare Depression 2009
Diagnostik: Klassifikation, Erkennen depressiver Störungen, Nutzen von Screening zur Früherkennung, Differenzialdiagnostik, Diagnostik bei Komorbidität, Verlaufsdiagnostik
Therapie – allgemein: Behandlungsziele, Einbezug von Patienten und Angehörigen
Pharmakotherapie: Therapiegrundsätze für die Akutbehandlung, Therapiebeginn, Wirkungsprüfung und Therapiemonitoring, Erhaltungstherapie, Rezidivprophylaxe, Maßnahmen bei Nichtansprechen, Pharmakotherapie chronischer Depressionen, Pharmakotherapie bei besonderen Patientengruppen
Psychotherapie – bei Akuttherapie, Dysthymie, Double Depression, chronischer Depression, behandlungsresistenter Depression, zur Erhaltungstherapie bzw. Rezidivprophylaxe
Kombination von Antidepressiva und Psychotherapie
Nicht medikamentöse somatische Therapieverfahren: elektrokonvulsive Therapie, Wachtherapie (Schlafentzugstherapie), Lichttherapie, körperliches Training
Therapie bei Komorbidität
Management bei Suizidgefahr: Ausprägungen/Risikofaktoren von Suizidalität, Suizidprävention und Notfallinterventionen, Indikationen für eine stationäre Therapie, Pharmakotherapie, Krisenintervention und spezifische Psychotherapien, Suizidprävention durch Nachsorge und Kontaktangebote
Implementierung, Kosten-Nutzen-Aspekte, Qualitätsmanagement, Qualitätsindikatoren, Evaluation

An der Erstellung der NVL/S3-Leitlinie
Unipolare Depression beteiligte Institutionen

Herausgeber der Leitlinie
DGPPN (federführend für die S3-Leitlinie),
BÄK/KBV/AWMF im ÄZQ (federführend für die NVL),
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft
Bundes­psycho­therapeuten­kammer (beratend)
Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie
Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften

Am Konsensprozess beteiligt und mitgetragen von
Bundesdirektorenkonferenz psychiatrischer Krankenhäuser
(und Arbeitskreis Depressionsstationen)
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Berufsverband der Fachärzte für Psychosomatische Medizin
und Psychotherapie Deutschlands
Berufsverband Deutscher Nervenärzte
Berufsverband Deutscher Psychiater
Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten
Chefarztkonferenz psychosomatisch-psychotherapeutischer Krankenhäuser und Abteilungen
Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie
Deutsche Fachgesellschaft für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie
Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie
Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie
Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft
Deutsche Psychoanalytische Vereinigung
Deutsche Psychotherapeutenvereinigung
Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie
Deutscher Hausärzteverband
Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie
Kompetenznetz Depression, Suizidalität

Der Text der NVL/S3-Leitlinie Unipolare Depression ist ab 26. November auf den Internetseiten des NVL-Programms unter www.versorgungsleitlinien.de, der DGPPN unter www.dgppn.de und der AWMF unter www.awmf-leitlinien.de zugänglich.
Am selben Tag wird die Leitlinie auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) im Internationalen Congress-Centrum in Berlin vorgestellt.
ÄZQ, Postfach 12 02 64, 10592 Berlin, E-Mail: mail@azq.de, Internet: www.azq.de
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