ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2009Initiative e-Health.Niedersachsen: Gut aufstellen für die Zukunft

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Initiative e-Health.Niedersachsen: Gut aufstellen für die Zukunft

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die Gesundheitsbranche entwickelt sich vielerorts zum Hoffnungsträger für die Wirtschaft. Medizintechnik und Gesundheits-IT sind dabei wichtige Komponenten.

Die Gesundheitswirtschaft ist einer der wichtigsten Zukunftsmärkte für Niedersachsen. Vor allem drei Faktoren tragen dazu bei: das zunehmende Gesundheitsbewusstsein der Menschen, der demografische Wandel und der technische Fortschritt in Diagnostik und Therapie. Darauf verwies Ulrich Petersen vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bei einer E-Health-Tagung in Braunschweig. Dabei spielt E-Health als Querschnittstechnologie eine wichtige Rolle, um Leistungsfähigkeit, Effizienz und Qualität bei der Gesundheitsversorgung sicherzustellen und die Modernisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben.

Digitale Signatur fördern

Darüber hinaus bietet der Einsatz von IT und Medizintechnik vor allem für den Mittelstand ein erheb-liches Potenzial. „Wenn wir Wachstum und Beschäftigung wollen, müssen wir uns mit dem Thema befassen“, erklärte Petersen. Bereits 2006 hat das Land Niedersachsen daher das Netzwerk eHealth.Niedersachsen gestartet. Ähnliche Initiativen gibt es auch in anderen Bundesländern, so etwa in Nordrhein-Westfalen oder in Mecklenburg-Vorpommern.

Inzwischen sind in Kooperation mit circa 80 Akteuren aus Forschung und Wirtschaft interdisziplinäre regionale Netzwerke, etwa in Oldenburg, Osnabrück und Braunschweig, mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten entstanden. Ein Beispiel ist das im März 2009 gegründete Competence Center für die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen (CCESigG). Voraussetzung für die beweissichere elektronische Archivierung von Krankenunterlagen sind nach deutschem Signaturgesetz qualifizierte elektronische Signaturen und Zeitstempel. Doch noch würden diese Verfahren nur rudimentär genutzt, unter anderem, weil technische Standardlösungen hierfür fehlten, erläuterte Dr. Christoph Seidel vom Städtischen Klinikum Braunschweig und zugleich Vorsitzender des CCESigG-Vereins. Allein für das Klinikum Braunschweig werde die Umstellung des papierbasierten Archivs auf die digitale Archivierung jährlich bis zu 450 000 Euro an Einsparungen bringen, betonte der IT-Experte. Zudem könnte auch die intersektorale Kommunikation hinsichtlich der Rechtssicherheit von der elektronischen Signatur profitieren. Als neutrale Plattform für Krankenhäuser, Institutionen und Industrie soll das CCESigG daher die flächendeckende Einführung dieser Verfahren im Gesundheitswesen fördern. Vordringlich gelte es, Best-Practice-Lösungen für die Integration der digitalen Signatur in die bestehenden Prozesse zu entwickeln, sagte Seidel.

Zur niedersächsischen Initiative gehört auch das mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderte Projekt eHealth.Braunschweig, ein kürzlich gegründetes regionales Gesundheitsnetzwerk, das die patientenzentrierte Versorgung in den Mittelpunkt stellt. Schwerpunkte der Arbeit sind die Themen „Gesundheitsversorgung im Alter“ durch seniorengerechte Dienste und Informationen sowie der Aufbau eines Hygienenetzwerks, um die Verbreitung antibiotikaresistenter Infektionserreger in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen zu verhindern.

Braunschweiger Befundportal
Ebenfalls im Rahmen dieses Projekts ist das Braunschweiger Befundportal zur Übermittlung von Arztbriefen, Röntgenbildern und anderen Untersuchungsergebnissen entstanden. Beteiligte sind das Klinikum Braunschweig, die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und das Peter-L.-Reichertz-Institut für Medizinische Informatik an der Technischen Universität Braunschweig. „Wir wollen die Patientensicherheit erhöhen, den Service verbessern und unsere Prozesse beschleunigen“, erklärte Prof. Dr. med. Horst-Peter Kierdorf, der Ärztliche Direktor des Klinikums. Nicht zuletzt erhoffe man sich Wettbewerbsvorteile durch die intensive Kommunikation mit den niedergelassenen Kollegen und eine größere Einweiserbindung. Rund 25 Niedergelassene beteiligen sich inzwischen an dem Projekt und erhalten über das Mitgliederportal der KVN zeitnah Einsicht in Fallakten ihrer Patienten und in Befunde aus dem Labor, der Pathologie und dem digitalen Archiv. Im nächsten Schritt wolle man zusätzlich die ärztliche und pflegerische Aufnahme elektronisch bewältigen, berichtete Kierdorf.
Heike E. Krüger-Brand


Links zur Info
www.ehealth-niedersachsen.de: Kommunikationsplattform der Initiative, Datenbank mit Krankenhäusern und Dienstleistern aus den Bereichen IT und Medizintechnik

www.ehealth-braunschweig.de: Website der Modellregion für patientenzentrierte Versorgung

www.ccesigg.de: Competence Center für die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen

www.plri.de/institut.html: Peter-L.-Reichertz-Institut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover

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