ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1997Erstmals Geschichte der deutschen Ärzteschaft

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Erstmals Geschichte der deutschen Ärzteschaft

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LNSLNS Anläßlich des 100. Deutschen Ärztetags ist erstmals eine umfassende Geschichte der deutschen Ärzteschaft erschienen. Sie basiert auf mehrjährigen Recherchen. Das Buch wurde in einer Pressekonferenz zum Auftakt des Ärztetages erstmals öffentlich vorgestellt.
Gesundheitspolitisch wie auch historisch Interessierte finden in diesem Sachbuch eine differenzierte Bestandsaufnahme zur Geschichte einer Berufsgruppe, die wegen ihres gesellschaftlichen Einflusses und ihrer eigenen Geschichte der Öffentlichkeit gegenüber besonders zur Rechenschaft verpflichtet ist.
Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hatte zeitig eine wissenschaftliche Darstellung in Auftrag gegeben. Sehr früh stand auch fest, daß man keine Festschrift im eigentlichen Sinne des Wortes und schon gar keine "Jubelschrift" erwartete, sondern bereit war, den an diesem Projekt beteiligten Historikern den Freiraum und die Unabhängigkeit des Urteils zu garantieren, die für unparteiliche Forschung unabdingbar sind.
Herausgeber der "Geschichte der deutschen Ärzteschaft" ist Prof. Dr. phil. Robert Jütte, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart. Sein Ziel war eine wissenschaftlich fundierte, gleichwohl allgemeinverständliche historische Darstellung, die sich nicht nur objektiv, sondern auch kritisch mit der Rolle der organisierten Ärzteschaft in Politik und Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandersetzt. Dieses Buch erläutert unter anderem, daß der Aufstieg der Ärzte zur gesellschaftlichen Elite und zu anerkannten Allein-Experten in Sachen Gesundheit ein Weg war, der von dieser Berufsgruppe und gerade ihren Standesorganisationen erkämpft und von Staat und Gesellschaft letztlich auch weitgehend akzeptiert und legitimiert wurde.
Der historische Bogen spannt sich von den gelehrten Ärztevereinen der Biedermeier-Zeit bis zum 100. Deutschen Ärztetag. Thematisiert werden unter anderem die Reformbestrebungen der demokratischen Ärzte 1848/49, die 1873 erfolgte Bildung des Deutschen Aerztevereinsbundes, die Auseinandersetzung mit nichtapprobierten Heilern ("Kurpfuschern") sowie die harten sozialpolitischen Kämpfe in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik. Die Rolle der organisierten Ärzteschaft im Dritten Reich wird ebenso erörtert wie die unterschiedliche Entwicklung des Gesundheitswesens im westlichen und östlichen Nachkriegsdeutschland.
PdÄ
Robert Jütte (Hrsg.), Geschichte der deutschen Ärzteschaft. Organisierte Berufs- und Gesundheitspolitik im 19. und 20. Jahrhundert, 319 Seiten, 143 Abbildungen und Tabellen, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 1997, 68 DM


Themen und Autoren
Geleitwort
Karsten Vilmar


Die Entwicklung des ärztlichen Vereinswesens und des organisierten
Ärztestandes bis 1871
Robert Jütte


Ärztliche Interessenvertretung im Kaiserreich 1871-1914
Hedwig Herold-Schmidt


Mehr als nur materielle Interessen: Die organisierte Ärzteschaft
im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik 1914-1933
Eberhard Wolff


Ärztliches Standeswesen im Nationalsozialismus 1933-1945
Martin Ruther


Neuaufbau und Konsolidierung: Ärztliche Selbstverwaltung und
Interessenvertretung in den drei Westzonen und der Bundesrepublik Deutschland 1945-1995
Thomas Gerst


Die Ärzteschaft im staatlichen Gesundheitswesen der SBZ und
DDR 1945-1989
Klaus-Dieter Müller


Phasen der "Vergangenheitsbewältigung" in der deutschen Ärzteschaft nach dem Zweiten Weltkrieg
Norbert Jachertz

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