ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2009Krankenhäuser: Trend zur Privatisierung wird zunehmen

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Krankenhäuser: Trend zur Privatisierung wird zunehmen

Osterloh, Falk

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Mehr als 30 Prozent der Kliniken sind mittlerweile in privater Trägerschaft. Foto: ddp
Mehr als 30 Prozent der Kliniken sind mittlerweile in privater Trägerschaft. Foto: ddp
Die Hans-Böckler-Stiftung geht davon aus, dass sich in den kommenden Jahren der Trend zur Privatisierung von Krankenhäusern weiter verstärken wird. Grund dafür sei die aktuelle Wirtschaftskrise, die die Löcher in den öffentlichen Haushalten vergrößert habe, erklären die Autoren der Buches „Privatisierung von Krankenhäusern“, das in Berlin vorgestellt wurde.

In keinem anderen europäischen Land seien in den letzten beiden Jahrzehnten so viele Krankenhäuser privatisiert worden wie in Deutschland, heißt es darin. Seit Anfang der 90er-Jahre habe sich der Anteil privater Kliniken mehr als verdoppelt und betrage mittlerweile mehr als 30 Prozent. „Die öffentliche Hand hat es seit Jahren versäumt, in ausreichendem Maß in die Krankenhäuser zu investieren. Heute befinden sich viele öffentliche Einrichtungen in einem problematischen Zustand und weisen hohe Defizite auf. In dieser Situation scheint der Verkauf an einen privaten Investor oft als einziger Ausweg“, sagte Nils Böhlke vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung.

Die Autoren kritisieren, dass das Verhältnis von Ärzten, Pflegekräften und weiteren Beschäftigten zu Patienten an privaten Krankenhäusern schlechter sei als an öffentlich getragenen Kliniken. So betreute ein Arzt in einem öffentlichen Haus im Jahr 2008 im Durchschnitt 780 belegte Betten; bei seinem Kollegen in einer privaten Klinik waren es 936. „Es ist schwer vorstellbar, dass die deutlich höhere Arbeitsbelastung von Beschäftigten in privaten Krankenhäusern keine nachteiligen Konsequenzen für die Patienten haben sollte“, erklärte Böhlke.

Der Vorstandschef der Rhön-Klinikum AG, Dr. Wolfgang Pföhler, sagte in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“, das Unternehmen habe vor Kurzem seine Kaufkraft auf eine Milliarde Euro erhöht. Er sei sich sicher, dass die Verkaufsangebote von Krankenhäusern in Zukunft noch zunehmen würden. Pföhler kann sich auch vorstellen, nach Gießen/Marburg ein zweites Universitätsklinikum zu übernehmen. „Wenn man die Unikliniken in verschiedenen Bundesländern analysiert, dann ist der Weg in die Privatisierung bei einigen nicht mehr weit“, sagte er. Pföhler kündigte an, mehr Transparenz in der Qualität der Rhön-Kliniken schaffen zu wollen. Von der Politik forderte er, Kliniken und Krankenkassen zu gleichberechtigten Verhandlungspartnern zu machen. fos
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