ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2009Die Waldheim-Story: Ausflug in die Politik
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Als Mitglied des Untersuchungsausschusses der Volkskammer zum „Missbrauch der Psychiatrie durch die Stasi“ – kurz „Waldheim-Ausschuss“ genannt, möchte ich einige Ergänzungen zum oben genannten Artikel geben. Ich war Vertreter der CDU-Fraktion in diesem Ausschuss, der von Anfang Juni bis zum Ende der Volkskammer in intensiver Arbeit die Rolle der Stasi in psychiatrischen Kliniken der ehemaligen DDR und besonders in der Klinik in Waldheim aufzuklären versuchte. Auf der 37. Tagung der Volkskammer, es war die letzte vor der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, gab der Ausschuss seinen „Zwischenbericht“ über die bisherigen gewonnenen Ergebnisse ab mit der ausdrücklichen Bitte, einen neuen Untersuchungsausschuss durch den Deutschen Bundestag einzusetzen und die begonnene Arbeit fortzuführen. In der Kürze der uns damals zur Verfügung stehenden Zeit war es gar nicht möglich, die umfangreichen Materialien zu sichten und auszuwerten und eine genaue Hintergrundforschung zu betreiben. Zwei Termine vor Ort in Waldheim und in der Klinik Hochweitzschen konnten nur die unvorstellbaren Verhältnisse in Waldheim betätigen. Die Durchsicht von Krankenunterlagen war schwierig und beschränkte sich auf einige Fälle, darunter die drei erwähnten Fälle mit „politischem“ Einweisungshintergrund und zwei Fälle von medizinisch fraglich indizierten Hirnoperationen, die der damalige Chefarzt Dr. Poppe in der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Leipzig durchführen ließ. Eine Anhörung von Dr. Poppe und einigen anderen Personen erfolgte auch durch den Ausschuss.

Ich lege nochmals Wert auf die Feststellung des Untersuchungsausschusses, dass dies nur ein Zwischenbericht war. Ich gehörte zu den 144 Volkskammerabgeordneten, die nach dem 3. Oktober noch bis zum Ende der Legislaturperiode Anfang Dezember 1990 in den Bundestag nach Bonn übernommen wurden. Dort versuchte ich, den Ausschuss wieder ins Leben zu rufen. Eine viel beachtete Presseaktion meinerseits hatte zur Folge, dass Anfang November 1990 nochmals mit der vormaligen Präsidentin der Volkskammer, Frau Dr. Sabine Bergmann-Pohl, nun Ministerin für besondere Angelegenheiten, in meinem Beisein ein Vor-Ort-Termin in Waldheim stattfand. Auch dabei war mein Bestreben, die Notwendigkeit eines neuen Untersuchungsausschusses zu vermitteln. Leider wurde aber dann kein neuer Untersuchungsausschuss gebildet, zumal die Legislaturperiode endete. Ich selbst habe nach meinem kurzen Ausflug in die „große Politik“ nicht wieder für den Bundestag kandidiert und bin an meinen ärztlichen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Ob die „Waldheim-Story“ aber wirklich geklärt ist und als abgeschlossen bezeichnet werden kann, wage ich aus meinen damaligen Erkenntnissen zu bezweifeln.

Dr. med. Walter Fiedler, An der Ziegelwiese 10, 39615 Seehausen
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