ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2009Symptomatische Knorpelschäden: Erste zellbasierte Arznei zugelassen

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Symptomatische Knorpelschäden: Erste zellbasierte Arznei zugelassen

Dtsch Arztebl 2009; 106(50): A-2523 / B-2171 / C-2107

Weiß, Maria

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LNSLNS Lokalisierte Knorpelschäden heilen nicht aus. Die Transplantation autologer
Chondrozyten ist eine therapeutische Option bei symptomatischen Knorpelschäden am Kniegelenk. Kürzlich wurde ein zellbasiertes Produkt als Arzneimittel zugelassen.

Spätestens ab 2012 dürfen auch Gewebeersatzprodukte wie autologe Chondrozyten nur in den Verkehr gebracht werden, wenn eine zentrale europäische Zulassung mit entsprechenden Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweisen vorliegt. ChondroCelect® – ein standardisiertes Produkt aus autologen Chondrozyten – ist das erste Zelltherapieprodukt, das diese Zulassung von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) erhalten hat.

Knorpelgewebe fehlt die Fähigkeit zur Regeneration. Ein einmal gesetzter lokalisierter Knorpelschaden im Kniegelenk – zum Beispiel durch einen Sportunfall – heilt daher nicht aus und kann im Laufe der Zeit zu einer schmerzhaften Arthrose führen. Junge Patienten (unter 50 bis 60 Jahren) mit einem symptomatischen, lokalisierten traumatischen Knorpelschaden seien daher geeignete Kandidaten für ein orthobiologisches Verfahren, so Prof. Dr. med. Matthias Steinwachs aus Zürich. Eine Möglichkeit ist die mehrfache Anbohrung des Knochens (Microfracture). Das austretende Blut füllt hier den Defekt auf und wird nach einiger Zeit zu Faserknorpel umgebildet. Eine andere Möglichkeit ist die autologe Chondrozytentransplantation, bei der dem Patienten körpereigene Knorpelzellen entnommen und nach entsprechender Vermehrung und Aufbereitung im Bereich des Defekts reinjiziert werden.

Ziel sei ein langfristig stabiles Gewebe mit den gleichen biomechanischen und metabolischen Eigenschaften wie der gesunde hyaline Knorpel, erläuterte Dr. Gerd Rüdiger Steffens von dem Unternehmen Tigenix. Der Prozess von der Entnahme bis zur Reinjektion umfasst zahlreiche Schritte, um die Zellen zu vermehren und gleichzeitig die Differenzierung der Knorpelzellen und die Sicherheit des Verfahrens zu gewährleisten.

Dass sich mit ChondroCelect die Bildung eines belastbaren, metabolisch aktiven Knorpelgewebes induzieren lässt, konnte bereits im Tierversuch nachgewiesen werden. In einer klinischen Studie wurde die Methode bei 118 Patienten mit isoliertem Knorpelschaden im Vergleich zum Microfracture-Verfahren getestet. Nach zwölf Monaten war die histologische Struktur des Knorpelgewebes deutlich besser als in der Microfracture-Gruppe. Klinisch bestanden erwartungsgemäß nach zwölf Monaten noch keine Unterschiede. Nach 36 Monaten konnte aber nach der Chondrozytentransplantation bereits eine signifkant stärkere klinische Verbesserung beobachtet werden (p = 0,048).
Maria Weiß
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