ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2009Randnotiz: Und fürchte Dich nicht
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LNSLNS Literatur kann Leben retten. Als vor fünf Jahren an Weihnachten ein Tsunami im Indischen Ozean die anliegenden Küstenstaaten überrollte und Zehntausende Menschen tötete, half manchen Urlaubern das Buch „Der Schwarm“. Zumindest ließen sie Autor Frank Schätzing wissen, aufgrund der Lektüre hätten sie die Gefahr erkannt und wären vor dem Meer geflüchtet.

Wie Literatur bei einer anderen Bedrohung helfen kann, schildert der Theologe und Schriftsteller Klaas Huizing in seinem neuen Buch „Fürchte Dich nicht – Die Kunst der Entängstigung“. In diesem Essay reflektiert er persönliche Erfahrungen mit Ängsten, ihre vielen Formen, die tieferen Ursachen – und Bewältigungsangebote der Theologie, Philosophie und Psychologie.

Medizin und Gesundheit sind Quellen des Ängstigens geblieben, stellt Huizing fest: „Die betagte Angst vor Arztbesuchen bekommt eine neue Schärfe: Jetzt gibt es auch Ärzte, die als datengestützte Propheten auftreten.“ Als Beispiel dient ihm das Buch „Oben ohne“. Dessen Autorin hatte sich aus Angst angesichts ihres familiären Krebsrisikos zu einer Totalamputation ihrer Brüste entschieden.

„Die Angst hat jetzt Zahlen und Prozente“, schreibt Huizing. „Fraglos hat die genetische Forschung die Angst vor einigen Krankheiten nehmen können, sie hat aber, das zeigt das Beispiel, auch neue Ängste gezeugt. Die Summe der Ängste wird offensichtlich nicht kleiner.“

Weshalb das so ist und man daran nicht verzagen muss, das schildert Huizing. Und einen schönen Rat gibt er: den zu lesen. „Literatur ist der Übungsraum gegen die Angst. Sie übt ein, mit unvorstellbaren Situationen umzugehen.“ Nicht nur zur Weihnachtszeit.
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