ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2009Mütterliche Leukämiezellen auf Kind übertragen

AKTUELL: Akut

Mütterliche Leukämiezellen auf Kind übertragen

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Während der Schwangerschaft können Tumorzellen der Mutter auf ihr ungeborenes Kind übertragen werden, wie molekularbiologische Untersuchungen japanischer Forscher ergeben haben. Sie fanden heraus, dass die Krebszellen des Kindes den mütterlichen genetisch so sehr glichen, dass sie offenbar im Körper der Schwangeren entstanden waren. Den kindlichen Krebszellen fehlte außerdem ein Oberflächenprotein, das die Zellen der Mutter noch hatten. Dadurch waren sie für das Immunsystem unsichtbar und konnten unbemerkt von einem Körper in den anderen einschleichen.

Das Team um Takeshi Isoda von der Universität Tokio nutzte für die Entdeckung das sogenannte genetische Finger-Printing. Bei dieser Methode bestimmen Forscher die DNA-Sequenz einer Zelle an mehreren Stellen und fertigen damit ein Zellprofil, das so individuell wie ein Fingerabdruck ist. Auf diese Weise verglichen die japanischen Forscher Tumorzellen aus dem Kiefer eines elf Monate alten Kindes mit mütterlichen Zellen. Bei der 28-jährigen Mutter war kurz nach der Geburt eine Leukämie diagnostiziert worden.

Die Analyse ergab, dass das Erbgut in den allermeisten Tumorzellen des Kindes keine Mischung aus väterlicher und mütterlicher DNA war, wie bei allen anderen Körperzellen. Vielmehr stimmte die Tumorzellen-DNA mit der mütterlichen überein. Daraus schließen die Forscher, dass der Tumor des Kindes seinen Ursprung im Körper der Mutter hatte und auf das Kind übertragen wurde (PNAS 2009 online, doi: 10.1073/pnas.0904658106).

Dass Krebs von der Mutter auf das Kind übergehen kann, hatten Wissenschaftler schon früher gelegentlich beobachtet. Es schien aber bislang unmöglich, dass diese „Ansteckung“ über die Plazenta geschieht. Doch auch das Immunsystem kann offenbar ausgetrickst werden. So fehlte bei den kindlichen Tumorzellen ein wichtiger Bestandteil der Zelloberfläche, der bei der Mutter noch vorhanden gewesen war: die mütterlichen HLA-Allele. Sie hätten das Immunsystem des Kindes dazu veranlasst, die Krebszellen anzugreifen, weil die mütterlichen HLA-Allele sie als fremd markiert hätten – unabhängig davon, ob es sich um Krebszellen handelt. Doch da die mütterlichen HLA-Allele gelöscht waren, hatte das Immunsystem des Kindes keine Möglichkeit, die mütterlichen Tumorzellen als fremd zu erkennen.

Der Verlust der HLA-Allele sei wahrscheinlich eine der Strategien, mit denen Krebszellen von einem Körper in einen anderen gelangen, schließen die Forscher. EB
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema