ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2009Börsebius: Rendite für Nervenstarke

GELDANLAGE

Börsebius: Rendite für Nervenstarke

Dtsch Arztebl 2009; 106(51-52): A-2573 / B-2217 / C-2149

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LNSLNS Wie wird das neue Jahr? Der Anleger giert vor allem zwischen den Jahren nach fundierter Expertise, will er doch 2010 nicht, wie so oft, auf dem falschen Fuß erwischt werden. Dementsprechend häufig findet man in allen Medien Jahresausblicke jedweder Art. Nur so richtig glücklich werden beim Studium dieser Prognosen wenige, zu seicht die Expertise, zu verzagt die Ausblicke, zu einseitig die lancierten Artikel, zu vielfältig und widersprüchlich die einzelnen Aussagen. Kurzum, es ist glatt zum Haareausreißen.

Vielleicht hilft doch die Erkenntnis ein wenig weiter, dass rund vier Fünftel aller Experten mit ihren Prognosen schiefliegen und der rationale Beobachter einfach nur das tun müsste, von dem die wenigsten Auguren sagen, dass es eintrifft. Damit fängt aber genau schon das psychologische Problem an, dass kaum jemand bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen, auch wenn es einen größeren ökonomischen Gewinn brächte. Wenn alle verlieren, tut es halt nicht so weh, mit dabei zu sein. Wehe aber, wenn die Minderheitsmeinung dann doch nicht von Erfolg gekrönt ist. Dann ist die narzisstische Kränkung umso größer, je kleiner die Herde ist, die einem bestimmten Trend folgt.

Trotzdem kann es sich lohnen, antizyklisch und gegen den publizierten Mainstream vorzugehen. Danach wäre für die nächsten zwölf Monate am Aktienmarkt durchaus eine Überrendite zu erwarten, weil durchweg negative Szenarien prognostiziert werden. Allerdings dürfte sich die – von mir erwartete – Aufwärtsbewegung unter herben Schwankungen vollziehen, da die Nachrichtenlage im nächsten Jahr wechselweise von guten Nachrichten (Chemiebranche im Aufwind) wie auch Katastrophenmeldungen (eventuelle Pleite einer Landesbank) durchsetzt sein wird. Nur Nervenstarke sollten sich hier also engagieren, und es ist auch angezeigt, sich auf Bluechips zu konzentrieren, vor allem Energieversorger finde ich ziemlich reizvoll.

Aber es gibt nicht nur die Aktienmärkte. Langsam muss sich der Anleger auf steigende Zinsen einstellen, dies hat die Bundesbank signalisiert. Das bedeutet einerseits Vorsicht bei Rentenfonds und anderseits, derzeit so kurzfristig wie möglich anzulegen, um später von höheren Renditen zu profitieren. Für Häuslebauer deutet sich im Umkehrschluss aber auch das Ende des goldenen Geldbeschaffungszeitalters an. So hat am Ende jeder die Möglichkeit, im nächsten Jahr seine Chancen zu suchen und zu finden, wenn er die Risiken meidet.
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