ArchivDeutsches Ärzteblatt10/199622. Deutscher Krebskongreß in Berlin: Neue Prognosefaktoren ergänzen TNM-Schema

POLITIK: Medizinreport

22. Deutscher Krebskongreß in Berlin: Neue Prognosefaktoren ergänzen TNM-Schema

Nickolaus, Barbara

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LNSLNSLNSLNS Informativ, wenn auch ernüchternd, war auf dem 22. Deutschen Krebskongreß in Berlin ein Symposium über die Wertigkeit von klassischen und neuen Prognosefaktoren bei soliden Tumoren. Anhand einer Studie bei 418 resezierten Magenkarzinom-Patienten wies Prof. Dr. H. E. Gabbert (Düsseldorf) nach, daß auch neue Prognosefaktoren keine exaktere, dem individuellen Fall angepaßtere Beurteilung der FünfjahresÜberlebenszeit ermöglichen. Bei den Patienten wurden folgende Parameter untersucht: Gefäßinvasion, Tumorzelldissoziation, Proliferationsindizes bei Tumorzellen, p 53-Expression, Expression von verschiedenen Wachstumsfaktoren und ihren Rezeptoren; außerdem die Expression von Zelladhäsionsmolekülen wie CD 44V 5 und -V 6 sowie E-Cadherin.
Die mit großen Erwartungen belastete Aussage über die p 53-Expression erwies sich als enttäuschend und ergab keinen Einfluß von statistischer Relevanz auf die Überlebenszeit-Prognose. Anders dagegen die Aussage über den Grad der Gefäßinvasion und Tumorzelldissoziation sowie der E-Cadherin-Expression. Laut Gabbert sind die klassischen Prognosefaktoren (p-TNM-System mit Tumoreindringtiefe, Lymphknotenbefall und Fernmetastasierung) keineswegs überholt, sollten aber durch die genannten aussagefähigen neuen Faktoren ergänzt werden, um zu einer individuell adäquateren Prognose der Überlebenszeit zu gelangen und HochrisikoPatienten rechtzeitig aus dem Patientenkollektiv herauszufiltern.
Beim kolorektalen Karzinom liegt die Fünfjahres-Überlebensrate bei 50 bis 60 Prozent (unabhängig von der Stadienangabe). Im Stadium I sind es rund 100 Prozent, im Stadi- um II 85 Prozent, im Stadium III 15 bis 20 Prozent. In einer Studie an 1 315 Fällen, so berichtete Prof. Christian Herfarth aus Heidelberg, entwickelten 25 Prozent ein Rezidiv innerhalb von fünf Jahren, 66 Prozent Fernmetastasen und fünf Prozent ausschließlich ein lokales Rezidiv. Fernmetastasen traten bei 80 Prozent der Patienten bereits in den ersten zwei Jahren nach Tumorresektion auf.

Entscheidend: der Chirurg
Eine Vielzahl von Prognosefaktoren – klassische wie neue – seien zweifellos aussagefähig, doch sollte man nicht die therapiebezogenen Prognosedaten vergessen. Herfarth erklärte, noch immer habe die so simpel klingende Aussage ihre Richtigkeit: Prognosedaten seien vom Patienten, vom Tumor und der Primärtherapie abhängig. Beispielsweise hätten Männer, vermutlich wegen der Enge des Beckens, das operationstechnisch Probleme bietet, eine schlechtere Prognose als Frauen; als größter Risikofaktor stelle sich das Können des Chirurgen dar. Je nach operativer Kunst liege die Rezidivrate zwischen fünf und 50 Prozent.
Bei Lungentumoren liegt die Fünfjahres-Überlebensrate bei 30 bis 50 Prozent. Dabei ist die Größe des Tumors nur ein sehr ungenauer Prognosefaktor, da ab zwei Zentimeter eine Gefäßinvasion und Fernmeta-stasierung jederzeit möglich seien. Der Gesamtzustand, das heißt klinische Parameter, ist nach Aussage des Pathologen, Prof. Dr. K.-M. Müller (Bochum), wichtig zur Beurteilung des hochmalignen Verlaufsbildes. Dr. Barbara Nickolaus

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