ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2009Steigende Beiträge zur Kran­ken­ver­siche­rung: Die Optionen der Versicherten

BERUF

Steigende Beiträge zur Kran­ken­ver­siche­rung: Die Optionen der Versicherten

Dtsch Arztebl 2009; 106(51-52): [114]

Büser, Wolfgang

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LNSLNS Wechseln, kündigen oder einfach nur ärgern? Diese Fragen gehen Betroffenen durch den Kopf, wenn ihre Beiträge zum Kran­ken­ver­siche­rungsschutz steigen.

Wegen steigender Ausgaben erhöhen die privaten Kran­ken­ver­siche­rungen ihre Prämien. Auch die Krankenkassen drohen mit der Erhebung von Zusatzbeiträgen, weil die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht mehr ausreichten. Wie können Versicherte auf diese Entwicklung reagieren?

Private Kran­ken­ver­siche­rung
Die meisten der großen privaten Krankenversicherer erhöhen ihre Prämien zum Jahreswechsel recht deutlich. Die Debeka fordert durchschnittlich fünf bis sechs Prozent mehr, die Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung (DKV) gar acht Prozent. Die Victoria (inzwischen wie die DKV unter dem Dach von „Ergo“) peilt ebenso eine sechsprozentige Erhöhung an wie die Gothaer. Central-Versicherte müssen etwa acht Prozent mehr für ihren Versicherungsschutz bezahlen. Mit drei bis vier Prozent wollen die Allianz, Axa und Signal-Iduna ihre Versicherten zusätzlich zur Kasse bitten – immer durchschnittlich gesehen. Für einzelne Tarife kann es sogar Erhöhungen um bis zu 20 Prozent geben. Die Kostensteigerungen im medizinischen Bereich, aber auch gesetzliche Eingriffe werden als Gründe angegeben. Zudem steigt die Lebenserwartung.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Betroffene auf diese Prämiensteigerungen reagieren können:

• Kündigen. Wer mit der Erhöhung seines Beitrags nicht einverstanden ist und (!) eine andere Versicherung gefunden hat, die ihn preisgünstiger versichert, der kann seine Police kündigen. Die Frist dafür beträgt einen Monat nach Bekanntgabe zum Inkrafttreten der Beitragsanhebung. Unabhängig davon kann das Versicherungsverhältnis jederzeit – regelmäßig mit dreimonatiger Frist – zum Ende des Versicherungsjahres durch Kündigung beendet werden. Spätestens zum Kündigungstermin muss der bisherigen Versicherung die Bestätigung über ein Versicherungsverhältnis bei der neuen vorliegen, weil niemand mehr ohne Versicherungsschutz sein darf. Im Übrigen sind die Versicherer verpflichtet, gebildete Alterungsrückstellungen (bezogen auf die für den Basistarif maßgebende Höhe) zum neuen Versicherer „mitzugeben“ – sofern der Vertrag erst nach 2008 geschlossen wurde. Für „Altfälle“ gilt das nicht.

• Den Tarif wechseln. Wer als Bestandsversicherter seine Alterungsrückstellungen nicht verfallen lassen will, kann auch innerhalb der Versicherung den Tarif wechseln, etwa in einen Tarif mit abgespecktem Leistungsumfang. Möglich ist auch die Herausnahme von Leistungen aus dem gegenwärtigen Tarif (etwa im fortgeschrittenen Alter das Krankentagegeld) oder die Einräumung/Erhöhung eines Selbstbehalts. Gegebenenfalls ist ein Wechsel in einen gleichartigen Vertrag angesagt. Dies ist dann der Fall, wenn der Tarif, dem man angehört, „geschlossen“ wurde (also keinen „Nachwuchs“ mehr zugeführt bekommt). In diesem Fall wandert die volle Alterungsrückstellung (nicht nur die sich aus dem Basistarif ergebende) mit in den neuen Vertrag.

• In den Basistarif wechseln. Schließlich kann der Versicherte unter bestimmten Bedingungen auch in den Basistarif der Gesellschaft (oder eines konkurrierenden Unternehmens) wechseln. Dieser Tarif enthält Leistungen, die denen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) entsprechen. Der Höchstbeitrag ist auf den der GKV begrenzt – unabhängig vom Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand.

Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung
Auch die Krankenkassen beklagen steigende Kosten. Zwar hat noch kein Unternehmen konkrete Zahlen genannt, doch ist auch hier damit zu rechnen, dass die Versicherten zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Die Zusatzbeiträge, die neben dem einheitlichen Beitrag zum Gesundheitsfonds bis zu maximal einem Prozent des beitragspflichtigen Entgelts erhoben werden dürfen, sind nur von den Versicherten zu tragen. Allerdings könnte sich der Start dafür auf die ersten Monate des Jahres 2010 verschieben. Das Prozedere einer solchen Beitragserhebung ist aufwendig, weil die Krankenkassen nicht über separate Beitragskonten verfügen (von freiwilligen Mitgliedern abgesehen). Sie müssten also erst eingerichtet werden, wenn es einen prozentualen Aufschlag geben soll (maximal ein Prozent erlaubt das Gesetz). Wahrscheinlicher ist es, dass die Zusatzbeiträge als feste Beträge verlangt werden, maximal in Höhe von acht Euro pro Monat.

Kommt es dazu, gibt es für gesetzlich Versicherte eine Option:

• Wechseln. Gesetzlich Versicherte können ihre Krankenkasse wechseln, sobald sie einen Zusatzbeitrag hinnehmen müssten (Ausnahme: Wer bei seiner Kasse einen Wahltarif abgeschlossen hat, ist drei Jahre daran gebunden). Beispiel: Der Zusatzbeitrag soll ab Februar 2010 erhoben werden. Die Mitteilung darüber muss bis spätestens 15. Februar 2010 beim Versicherten sein. Die Kündigung ist möglich bis zum 15. März 2010 – rückwirkend zum 1. Februar 2010. Wie bei den Privaten ist Bedingung, dass der bisherigen Krankenkasse die Bestätigung einer anderen vorliegt, dass dort die Versicherung begründet wurde.
Wolfgang Büser
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