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LNSLNS Der private oder sogenannte zweite Gesundheitsmarkt bietet rein ökonomisch unbestritten große Möglichkeiten.

Durchaus verständlich ist, dass Ärzte einen Teil vom Kuchen über IGeL- Leistungen abhaben möchten. Die Autoren liefern mit ihrer Arbeit wichtige Daten dazu, wie die Versicherten dies empfinden. Für den wirtschaftlichen Erfolg darf man als Arzt nicht zimperlich sein, immerhin werden 45 Prozent der Patienten eine unmittelbar zuvor verweigerte Leistung dann als privat zu bezahlende Gesundheitsleistung angeboten. Auch die Tatsache, dass die überwiegende Anzahl der hier angebotenen Leistungen zumindest umstritten oder gar überflüssig sind (als Beispiel sei hier die Diskussion über den Nutzen des PSA-Wertes genannt), zeigt den stattfindenden grundlegenden Wandel im Arzt-Patienten-Verhältnis. Bei einem Teil der Ärzteschaft scheint das Bewusstsein verloren gegangen zu sein, sich in einer historisch einmaligen Situation zu befinden: Aufgrund der Sozialversicherungen kann unabhängig von dem Einkommen des Patienten medizinisch sinnvolle Diagnostik und Therapie angeboten werden. Mit einem gewissen Zynismus könnte man eine Rückkehr zu der im Laufe der Geschichte überwiegend praktizierten einkommensabhängigen Medizin konstatieren.

Die Empfehlung der Bundes­ärzte­kammer, den Patienten auch bei dem Angebot nicht notwendiger Leistungen nicht zu Kunden zu degradieren, ist von einer gewissen Naivität geprägt. Hierzu genügt ein Blick in die entsprechenden Publikationen. Wenn beispielsweise das ganze Praxisteam in die Erbringung von IGeL-Leistungen eingebunden wird, lässt sich der Ansatz der Gewinnmaximierung kaum mehr kaschieren. Jeder Arzt sollte sich daher fragen, ob der kurzfristige wirtschaftliche Gewinn die tiefgreifende Erosion des Vertrauensverhältnisses rechtfertigt.

Wenn schon nur noch von Leistungserbringern gesprochen wird und ökonomische Interessen in der Gesundheitspolitik zunehmend als höchste Prämisse wahrgenommen werden, sollte die Ärzteschaft sich sehr genau überlegen, ob sie der Öko­nomi­sierung auch noch Vorschub leisten will.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0008a


Dr. med. Johannes Gossner
Wittekamp 1
30177 Hannover
E-Mail: johannesgossner@gmx.de
1.
Richter S, Rehder H, Raspe H: Individual health services and the limits to service provision in insurance registered german medical practices—patient experiences [Individuelle Gesundheitsleistungen und Leistungsbegrenzungen – Erfahrungen GKV-Versicherter in Arztpraxen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106 (26): 433–9. MEDLINE
1. Richter S, Rehder H, Raspe H: Individual health services and the limits to service provision in insurance registered german medical practices—patient experiences [Individuelle Gesundheitsleistungen und Leistungsbegrenzungen – Erfahrungen GKV-Versicherter in Arztpraxen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106 (26): 433–9. MEDLINE

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