Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wir danken dem Autor des Leserbriefs für seine kritische Betrachtung potenzieller IGeL-Auswirkungen, die wir in vielen Punkten durchaus teilen. Eine Interpretation der Tatsache, dass 45 Prozent der Patienten eine zuvor versagte Leistung anschließend als IGeL angeboten wurde, sollte jedoch das Verständnis einer Leistungsbeschränkung mit berücksichtigen. Zum einen sind einige Leistungsversagungen durch den Umfang des GKV-Leistungskatalogs rechtlich vorgeschrieben. Zum anderen könnte es durchaus möglich sein, dass patientenseitig im Sinne subjektiver Erfahrungen in einigen Fällen schon das Angebot einer IGeL als Versagung einer Leistung auf Kassenkosten erlebt wurde. Diese Frage lässt sich in unserer postalischen Umfrage nicht abschließend klären.

Die angesprochene Bandbreite von IGeL ist in der Tat ein für Patienten intransparentes Gemisch sinnvoller Behandlungen (zum Beispiel Malariaprophylaxe), umstrittener Untersuchungen (PSA-Screening), Wellness-Medizin (Anti-Aging) bis hin zu Maßnahmen ohne belegten Nutzen (Ozontherapie/UV-Bestrahlung des Blutes). Das Fehlen evidenzbasierter, transparenter und zugänglicher Leistungskataloge sowohl für den GKV-Bereich als auch IGeL erschweren Patienten eine kritische Beurteilung sowohl der versagten als auch der angebotenen Leistungen. Einige deskriptive Studien legen eine Abhängigkeit von Einkommen und IGeL-Angeboten nahe, die sich in multivariaten Analysen unserer eigenen Untersuchung jedoch nicht bestätigten (1). Vor dem Hintergrund finanzieller Anreize, wie sie IGeL für Arzt und Praxispersonal darstellen, ergeben sich potenzielle Interessenkonflikte mit den genannten Auswirkungen auf das Vertrauensverhältnis sowohl in die Arzt-Patienten-Beziehung, aber auch die solidarisch finanzierte GKV (2). Abhilfe schaffen könnten patientenorientierte Informationen zu IGeL, die auf der Basis wissenschaftlicher Evidenz unabhängig erarbeitet, laienverständlich und frei zugänglich zur Verfügung gestellt werden. Denn zumindest einige IGeL „leben von der unzureichenden Aufklärung der Interessenten“ (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0008b


Dr. rer. hum. biol. Dipl.-Psych. Susanne Richter
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Sozialmedizin
Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160 (Haus 50)
23538 Lübeck
E-Mail: susanne.richter@uk-sh.de

Interessenkonflikt
Die Autorin und der Autor beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Richter S, Rehder H, Raspe H: Individual health services and the denial of health services in German medical practices: prevalence, regional differences and socio-demographic determinants. Eur J Public Health 2009. doi:10.1093/eurpub/ckp145 MEDLINE
2.
Raspe H: Individuelle Gesundheitsleistungen in der vertragsärztlichen Versorgung: eine medizinethische Diskussion. Ethik Med 2006: 18: 1–15.
3.
Windeler J: Interessenskonflikte und Qualitätsmängel bei Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). In: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (ed.): Markttransparenz im Gesundheitswesen. Beiträge zu einer kontroversen Diskussion. Düsseldorf 2008: Verbraucherzentrale NRW e.V.: 75–84.
4.
Richter S, Rehder H, Raspe H: Individual health services and the limits to service provision in insurance registered german medical practices—patient experiences [Individuelle Gesundheitsleistungen und Leistungsbegrenzungen – Erfahrungen GKV-Versicherter in Arztpraxen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(26): 433–9. MEDLINE
1. Richter S, Rehder H, Raspe H: Individual health services and the denial of health services in German medical practices: prevalence, regional differences and socio-demographic determinants. Eur J Public Health 2009. doi:10.1093/eurpub/ckp145 MEDLINE
2. Raspe H: Individuelle Gesundheitsleistungen in der vertragsärztlichen Versorgung: eine medizinethische Diskussion. Ethik Med 2006: 18: 1–15.
3. Windeler J: Interessenskonflikte und Qualitätsmängel bei Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). In: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (ed.): Markttransparenz im Gesundheitswesen. Beiträge zu einer kontroversen Diskussion. Düsseldorf 2008: Verbraucherzentrale NRW e.V.: 75–84.
4. Richter S, Rehder H, Raspe H: Individual health services and the limits to service provision in insurance registered german medical practices—patient experiences [Individuelle Gesundheitsleistungen und Leistungsbegrenzungen – Erfahrungen GKV-Versicherter in Arztpraxen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(26): 433–9. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema