ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2010Karotisstenose: Studie zur intensivierten Arzneimitteltherapie

AKTUELL: Akut

Karotisstenose: Studie zur intensivierten Arzneimitteltherapie

Dtsch Arztebl 2010; 107(1-2): A-6 / B-6 / C-6

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Vielen Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose könne durch eine aggressive medikamentöse Therapie ein Stent oder eine Endarteriektomie erspart bleiben, behaupten kanadische Forscher (Archives of Neurology 2010; doi: 10.1001/archneurol.2009.289). Das Team um David Spence vom Robarts Research Institute in London/Ontario hatte sich 2003 entschlossen, seine Patienten nicht mehr nach Risikofaktoren, sondern nach dem Zustand der Karotiden zu behandeln. Dazu wurde sonografisch die „Total plaque area“ berechnet und das Ergebnis den Patienten mitgeteilt, um sie zu einer Änderung ihrer Lebensgewohnheiten zu motivieren. Führte dies nicht zu einer Regression der „Total plaque area“, wurde die bestehende Arzneimitteltherapie intensiviert.

Die Dosis der Statine wird auf die maximal verträgliche Konzentration erhöht, und zwar unabhängig vom aktuellen LDL-Cholesterinwert. Die Statine werden mit Ezetimib kombiniert, und wenn diese Möglichkeiten ausgereizt sind, erhalten Nichtdiabetiker zusätzlich noch Niacin und Diabetiker Fibrate. Die Ärzte stellen sicher, dass alle Patienten mit ACE-Hemmern behandelt werden und die antihypertensive Therapie optimiert wird. Den Patienten mit Insulinresistenz verschreiben die Ärzte Metformin oder Pioglitazon. Ob diese Therapie den Patienten nutzt, lässt sich außerhalb einer kontrollierten klinischen Studie nur unzureichend beurteilen.

Das Ausmaß der Atherosklerose in den Karotiden besserte sich allerdings, wie die Forscher anhand eines anderen Markers nachwiesen: Mittels einer transkraniellen Doppler-Sonografie suchten sie im Gehirn nach Mikroembolien, deren Nachweis sie für eine Stentimplantation oder eine Endarteriektomie fordern. Ohne Mikroembolie – das hatten frühere Studien gezeigt – beträgt das jährliche Schlaganfallrisiko nur ein Prozent. Es ist damit geringer als das Komplikationsrisiko einer chir-urgischen Intervention.

Seit der Einführung des neuen Therapieansatzes im Jahr 2003, so Spencer, wiesen nur noch 3,7 Prozent der Patienten bei den Nachuntersuchungen im transkraniellen Doppler Mikroembolien im Gehirn auf. Vorher wurden sie bei 12,6 Prozent der Patienten gesichtet. Gleichzeitig ging die Zahl der Patienten, die ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten, von 17,6 Prozent auf 5,6 Prozent zurück. Zudem konnte die Progression der Plaqueflächen begrenzt werden. Die Forscher betrachten die intensivierte medikamentöse Therapie daher als Behandlung der ersten Wahl, so dass die meisten Interventionen vermieden werden könnten. rme
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