ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2010Medizinische Versorgung in Heimen: Ärzte und Pflegeheime wollen stärker kooperieren

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Medizinische Versorgung in Heimen: Ärzte und Pflegeheime wollen stärker kooperieren

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Die Bundes­ärzte­kammer und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste haben ein gemeinsames Positionspapier mit Eckpunkten für eine bessere heimärztliche Versorgung vorgelegt.

Die ärztliche Versorgung in Pflegeheimen ist besser als ihr Ruf. Das hat erst kürzlich der Pflegereport der Gmünder Ersatzkasse gezeigt. Demnach werden Heimbewohner durchschnittlich einmal pro Quartal von einem Hausarzt aufgesucht – und damit deutlich häufiger als Pflegebedürftige, die zu Hause leben. Doch es gibt trotzdem Verbesserungsbedarf – insbesondere in der fachärztlichen Betreuung (dazu DÄ, Heft 17/ 2009). Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) haben nun ein Positionspapier erarbeitet, wie die Kooperation von niedergelassenen Ärzten und Heimen gestärkt werden kann.

Gemeinsame Visiten von Ärzten und Pflegekräften erleichtern für alle die Arbeit. In vielen Heimen finden sie aber nicht statt. Foto: Superbild
Gemeinsame Visiten von Ärzten und Pflegekräften erleichtern für alle die Arbeit. In vielen Heimen finden sie aber nicht statt. Foto: Superbild
„Es gibt keine generelle ärztliche Unterversorgung von Heimpatienten“, stellt Dr. med. Cornelia Goesmann, Vizepräsidentin der BÄK, klar. Dennoch könne die Zusammenarbeit von niedergelassenen Haus- und Fachärzten mit den Pflegekräften in den Heimen noch reibungsloser laufen. Ein zentraler Punkt sind für BÄK und bpa dabei verbindliche Absprachen. „Wenn die Hausärzte feste Visitentermine vereinbaren, dann können die Pflegekräfte das besser einplanen, und es bleibt Zeit, sich auszutauschen“, erläutert Goesmann. Für die Heime sei es zudem vorteilhaft, wenn nicht alle Ärzte gleichzeitig kämen, sondern die Besuche der Hausärzte auf die Woche verteilt würden. Unter optimalen Bedingungen könne an jedem Werktag ein Arzt im Haus sein. Notfälle könne jeweils der Arzt mitversorgen, der vor Ort sei. „So ließen sich viele unnötige Krankenhauseinweisungen vermeiden“, betont die Allgemeinmedizinerin. Außerdem würde die Präsenz der Hausärzte im Pflegeheim auf ein notwendiges Maß beschränkt. Denkbar seien auch gemeinsame Regelungen für die Wochenenden und eine Rufbereitschaft.

Das Papier „Kooperation in der heimärztlichen Versorgung – Eckpunkte zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegeheimen“ enthält aber auch eine Reihe von Vorschlägen, wie man die fachärztliche Versorgung besser organisieren kann. BÄK und bpa sprechen sich dafür aus, dass Heimbewohner – sofern es ihr Gesundheitszustand zulässt – die Fachärzte in deren Praxen aufsuchen. Eine adäquate fachärztliche Behandlung sei ohne eine entsprechende apparative Ausstattung oft nicht möglich. Doch viele Heimbewohner sind damit überfordert, allein zum Arzt zu fahren. „Wir plädieren deshalb für begleitete Facharztbesuche. Das setzt aber genügend Personal in den Heimen voraus“, sagt Goesmann.

Unnötige Klinikeinweisungen verhindern
Ein weiteres Problem: Die Patienten müssen die Fahrt zu einer ambulanten Behandlung oft aus eigener Tasche bezahlen. „Da verhalten sich die Krankenkassen sehr kurzsichtig“, moniert die BÄK-Vizepräsidentin. Denn auch mit Facharztbesuchen könnten Kranken­haus­auf­enthalte und damit verbundene Kosten vermieden werden.

Das Papier von BÄK und bpa befasst sich des weiteren mit der Frage, wie die notwendigen Maßnahmen finanziert werden können. „Die Kassen müssen den zusätzlichen Aufwand entsprechend honorieren“, verlangt Goesmann. Die Vergütung solle außerhalb des Budgets erfolgen. Für sie kommen dabei vor allem Verträge zur Kooperation von Pflegeheimen und Niedergelassenen nach § 119 b SGB V infrage.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Das Positionspapier im Internet: www.aerzteblatt.de/108
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