ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2010Sport: Überholter Wissensstand
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Mit Interesse haben wir die Ausarbeitung von K. Brune et al. „Geht nichts mehr ohne Schmerzmittel?“ im DÄ gelesen. Leider werden in diesem Artikel verschiedene leistungsphysiologische Zusammenhänge falsch und auf dem Wissensstand der 80er-Jahre dargestellt. Die Autoren stellen fest, „ . . . dass gerade Ausdauersportler unter Blutarmut leiden.“ Sie begründen diese sogenannte „Sportleranämie“ mit vermehrtem Blutverlust über den Magen-Darm-Trakt und illustrieren dies mit plakativen Beispielen.

Heute ist es jedoch gängiges Wissen, dass:

1. Ausdauersportler nicht an einer Anämie leiden, sondern im Gegenteil, ein höheres Blutvolumen und mehr Hämoglobin haben als Untrainierte.

2. Die sogenannte Sportleranämie ein reines Verdünnungsphänomen ist und so das Wort „Anämie“ eigentlich nicht zutrifft: Infolge der Trainingsanpassung erhöht sich das Blutvolumen des Athleten, das erhöhte Blutvolumen kommt nicht nur durch eine vermehrte Blutzellmasse zustande, sondern auch durch eine Erhöhung des Plasmavolumens. Letztere fällt in der Regel stärker aus als Erstere, sodass eine Verdünnung resultiert, sichtbar in bei Ausdauerathleten eher niedrigen konzentrationsabhängigen Größen wie Hämoglobinkonzentration und Hämatokrit.

Die vom Autor angeführte Begründung des Blutverlustes zum Beispiel über den Magen-Darm-Trakt unter Belastung als mögliche Ursache einer Anämie sind sicher nicht in jedem Fall auszuschließen, insbesondere bei starkem und dauerhaftem Gebrauch von nicht steroidalen Antiphlogistika, spielen in der Regel aber keine Rolle. Illustriert wird dies durch die Tatsache, dass Athleten diese Hämodilution unabhängig von Sportart und Schmerzmittelkonsum zeigen, und dieses Verdünnungsphänomen nach einigen Tagen Trainingskarenz voll reversibel ist.

Literatur bei den Verfassern
Priv.-Doz. Dr. Yorck Olaf Schumacher, Dr. Torben Pottgießer, Abteilung Sportmedizin, Medizinische Universitätsklinik Freiburg, 79106 Freiburg
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