ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2010Börsebius: Die große Blamage

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Börsebius: Die große Blamage

Dtsch Arztebl 2010; 107(1-2): A-47 / B-39 / C-39

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LNSLNS Und es geschah im Jahre des Herrn 2009, als sich eine Schar von Ratsuchenden aufmachte zu erkunden, wie es um die Qualität an deutschen Bankschaltern stünde. Sie erinnern sich an die unter großem Medienecho inszenierte Testaktion der Zeitschrift „Finanztest“: Landesweit wurde über die „verheerenden Testergebnisse bei der Bankberatung“ berichtet, auf dass die große Blamage einer ganzen Zunft ordentlich ruchbar werde.

Dabei hatten es die Tester den Instituten diesmal einfach gemacht, nicht hereinzufallen. Alle Testkunden hatten die Vorgabe, nach einer Anlage über 30 000 Euro zu fragen, die für einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer jährlichen Rendite von vier Prozent sicher angelegt werden sollte. Die eindeutig zutreffende Beratungsaussage wäre also gewesen: „Werter Kunde, Ihr Anlageziel ist nicht erreichbar. Vier Prozent sind bei einem sicheren Investment in diesem Zeitraum nicht zu schaffen, weil es solche Produkte im derzeitigen Kapitalmarktumfeld einfach nicht gibt.“ Vorhang. Das Publikum staunt ergriffen.

So kam es natürlich nicht. Die befragten Institute überboten sich im tumben Versuch, eigene Produkte mit mehr oder weniger riskanten Elementen an die Frau oder den Mann zu bringen – Hauptsache der eigene Beutel klingelt ordentlich. Einen mit 30 000 Euro wieder abziehen zu lassen, ist wohl in diesen Kreisen ehrenrühriger als eine krasse Fehlberatung.

Solche Befragungen führen mit einer kuriosen Regelmäßigkeit zu dem immer gleichen Ergebnis, dass Banken einfach nur schlecht beraten. Ich selbst habe vor mehr als 25 Jahren als Testkunde für die Zeitschrift „bankkaufmann“ Ähnliches erlebt und publiziert. Genutzt hat es damals nichts, und das wird auch diesmal nicht anders sein. Wenn ich jetzt lese, dass die Banken zerknirscht verbesserte Kundeninformationen anböten, dann denke ich mir nur, ach ja, alle Jahre wieder.

Eine Besserung ist nur durch die Kunden selbst herbeizuführen. Solange Geldinstitute ziemlich viel Mist an die in Wirklichkeit meist unkritischen Kunden verkaufen können, braucht sich niemand über solche Testergebnisse zu wundern. Von einer Bank mehr Zurückhaltung zu verlangen, ist so unsinnig, wie einen Hund mit Worten von seinem Fressnapf wegzulocken.

Das glauben Sie nicht? Zwei Drittel aller Anleger kaufen Investmentfonds nach wie vor über ihre Bank und lassen sich dann teure Ausgabeaufschläge aus der Tasche ziehen, obwohl längst andernorts (bei Fondsbanken, zum Beispiel Ebase) dieselben (!) Fonds weitaus preiswerter erstanden werden können.

Wenn es um das eigene Hemd geht, können mehr Selbstkritik und Produktvergleich von einem aufgeklärten Anleger durchaus erwartet werden. Und es ist auch noch lohnenswert. Denn am Ende der Reue steht dann auch noch eine bessere Rendite.
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