ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2010Sozialpädiatrie: Professioneller Überblick

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Sozialpädiatrie: Professioneller Überblick

Dtsch Arztebl 2010; 107(1-2): A-36 / B-31 / C-31

Doerck, Manfred

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Harald Bode, Hans Michael Straßburg, Helmut Hollmann (Hrsg.): Sozialpädiatrie in der Praxis. Urban & Fischer, München 2009, 444 Seiten, kartoniert, 59,95 Euro
Harald Bode, Hans Michael Straßburg, Helmut Hollmann (Hrsg.): Sozialpädiatrie in der Praxis. Urban & Fischer, München 2009, 444 Seiten, kartoniert, 59,95 Euro
Auch reiche Länder haben sozialpädiatrische Probleme. Zur Situation in Deutschland bieten zwölf Autoren jetzt einen professionellen Überblick: Epidemiologie, Normal- und Fehlentwicklungen, Rehabilitation, Prävention oder Versorgungssysteme werden dargestellt – neben einem unterschwellig begleitenden Abriss der Kinderheilkunde. Selbst ethische, qualitätssichernde und zukunftsorientierte Aspekte kommen zu Wort. Für Außenstehende mag die Thematik zunächst grau und trocken wirken, mit fortschreitender Lektüre wird sie aber immer bunter und zeigt an vielen Punkten durchaus spannende Elemente.

So wird am derzeit öffentlichkeitswirksamsten Beispiel der Kindesmisshandlung mit einer angeblichen Dunkelziffer von bis zu zwei Prozent aller stationären Aufnahmen bei gleichzeitig hochsensiblem Fehldeutungspotenzial aufgedeckt, dass im juristischen Prozess noch vor 120 Jahren auf dem Niveau des Tierschutzrechtes argumentiert wurde. Und selbst die klinische Pädiatrie vor 50 Jahren müsste sich bezüglich Besuchsverbot und insuffizienter Schmerztherapie massive Kritik anhören. Heutzutage wird die sozialpädiatrische Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen auf summarisch zehn bis 15 Prozent geschätzt.

Willkommene Auflockerung erfährt der Band durch eine Reihe von Fallbeispielen im Kapitel „Spezielle Störungen“, das zusammen mit „Therapie und Förderung“ auch zu den umfangreichsten gehört. Höchstens zu den auftürmenden Problemkreisen Bewegungsmangel/Fehlernährung, PC-Sucht oder Komasaufen mag noch größerer Informationsbedarf reklamiert werden, hier hat das reale Leben offenbar die Auflage überholt. Die mehrfach falsche Schreibweise eines Koautors ist eigentlich unverzeihlich, verblasst aber vor der Bedeutung des Gesamtwerks.

Angesprochen sind interdisziplinäre Gruppen, primär Neuropädiater, alle Kinder- und Hausärzte, Psychologen und Lehrer, aber auch Erzieher, Physiotherapeuten sowie Gesundheitsbeamte. Und nicht zuletzt: Zur allgemeinen Bestärkung ihres wichtigen Auftrags durchläuft die formale Zusatzweiterbildung „Sozialpädiatrie“ gerade ihr Antragsverfahren. Manfred Doerck
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