ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2010Medienrecht: Journalisten müssen sorgfältig recherchieren

MEDIEN

Medienrecht: Journalisten müssen sorgfältig recherchieren

Dtsch Arztebl 2010; 107(1-2): A-37 / B-32 / C-32

Stüwe, Heinz

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Notaufnahme und Labor ausgefallen – oder nur das Laborinformationssystem? Die Berichterstattung darf nicht unzulässig verkürzen. Foto: iStockphoto
Notaufnahme und Labor ausgefallen – oder nur das Laborinformationssystem? Die Berichterstattung darf nicht unzulässig verkürzen. Foto: iStockphoto
Gegen unzutreffende Tatsachenbehauptungen in der Tagespresse können sich Betroffene erfolgreich wehren. Das zeigt ein Fall aus Hamburg. Das „Hamburger Abendblatt“ hatte am 15. Juli 2009 unter der Überschrift „Neue UKE-Panne: Notaufnahme und Labor ausgefallen“ über einen Computerausfall im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berichtet. In dem Artikel hieß es, dass an einem Montag „die zentrale Notaufnahme von 17 bis 20 Uhr geschlossen werden musste“. Auf Antrag der Klinik verbot das Hanseatische Oberlandesgericht in einer einstweiligen Verfügung dem Verlag Axel Springer AG, in dem die Zeitung erscheint, diese Behauptungen zu veröffentlichen oder zu verbreiten (Aktenzeichen: 7 W 96/09).

Nach Ansicht der Richter handelt es sich um ehrenrührige und unzutreffende Tatsachenbehauptungen. Denn Notaufnahme und Zentrallabor seien weder ausgefallen noch geschlossen worden. Vielmehr sei das Laborinformationssystem ausgefallen mit der Folge, dass die Notaufnahme des Krankenhauses zeitweise von der Notfallversorgung bei der Feuerwehrleitstelle Hamburg abgemeldet wurde. Das Zentrallabor habe zwar verzögert funktioniert, es seien jedoch alle zeitkritischen Proben analysiert und die Ergebnisse per Fax oder Telefon weitergeleitet worden.

Die Zeitung konnte sich nach Ansicht des Gerichts nicht darauf berufen, dass Oppositionspolitiker im Wissenschaftsausschuss der Hamburger Bürgerschaft ähnliche Aussagen wie in dem Zeitungsbericht gemacht hatten. Denn in der öffentlichen Sitzung, an der ein Redakteur der Zeitung teilgenommen hatte, hätten Senatsvertreter ihre abweichende Version des Geschehens mitgeteilt. Die Richter setzen damit einer stark vereinfachenden und verkürzten Berichterstattung Grenzen. Selbst wenn dem Journalisten die bei Vollauslastung übliche Abmeldung eines Krankenhauses von der Notfallversorgung nicht geläufig gewesen sein sollte, „hätte er angesichts der Verwendung unterschiedlicher Begriffe durch Oppositionsvertreter und Senatsmitglieder nachrecherchieren müssen, um den ihm obliegenden Sorgfaltspflichten zu genügen und eine Falschmeldung nach Kräften auszuschließen“, heißt es in dem Beschluss. Stü.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema