ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2010„Liebeslied“: Tremor in Moll

KULTUR

„Liebeslied“: Tremor in Moll

PP 9, Ausgabe Januar 2010, Seite 38

Osterloh, Falk

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Als das Zittern beginnt, versteckt Roger seine Hand unter der Jacke, drückt sie in der Nacht unter seinen Körper oder trinkt Bier zur Beruhigung. Er sagt sich, Parkinson kann es nicht sein. Denn Parkinson bekommen nur alte Leute. Und Roger ist 40, arbeitet auf dem Bau, steht mitten im Leben. Doch die Symptome lassen nicht nach. Erst ein Arbeitsunfall zwingt Roger zum Arzt, und während er seiner besorgten Frau am Telefon noch erzählt, alles sei in Ordnung, hält er den Arztbrief mit der Diagnose in der Hand: Morbus Parkinson.

Im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung erkranken zehn Prozent aller Parkinsonpatienten bereits um das vierzigste Lebensjahr. Ein Alter, in dem das Stigma, der gesellschaftliche Druck und häufig auch die finanziellen und privaten Folgen weit schwerer wiegen als bei einer Erkrankung in höherem Alter. Der Film „Liebeslied“ von der aus Norwegen stammenden Regisseurin Anne Høegh Krohn wirft ein Schlaglicht auf eine wenig bekannte Seite einer bekannten Krankheit und bedient sich dafür eines ungewöhnlichen Stilelements: In den emotionalen Momenten sprechen die Hauptdarsteller Jan Plewka, Frontmann der Band Selig, und Nicolette Krebitz nicht, sie singen. Wenn man sich einmal an die dadurch aufgebrochene Erzählebene gewöhnt hat, entwickelt der Film auf diese Weise einen kraftvollen, ebenso herzlichen wie groben Charme, dem man eine phasenweise naive Darstellung der somatischen Parkinsonsymptome durchaus verzeiht. Kinostart: 10. Dezember.
Falk Osterloh
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