KULTUR

Neues Magritte-Museum: Herrschaft des Lichts

PP 9, Ausgabe Januar 2010, Seite 39

Laufersweiler-Plaß, Christine

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Foto: dpa
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Mitten in Brüssel beherbergt ein kostbar renoviertes Palais eine Sammlung von 200 Gemälden, Skulpuren, Zeichnungen und Fotografien des belgischen Künstlers.

Den Belgier René Magritte kannte man als skurrilen, hintersinnigen Mann mit Anzug und Melone. Auf die Frage „Monsieur Magritte, wie geht es Ihnen?“ antwortete er beispielsweise: „Ganz so wie Sie wollen!“ Psychoanalytische Deutungen seiner Werke wehrte er stets ärgerlich ab. Vielmehr sagte er: „Ich male, was ich sehe, und Sie sehen, was ich gemalt habe.“

Dabei gibt es im neuen Magritte-Museum in Brüssel vieles, was den Besucher zu Interpretationen anregt. Das Museum erhebt den Anspruch, die weltweit größte Sammlung des belgischen Surrealisten zeigen zu können: einen Überblick über Werke und Gedanken aus allen Schaffensphasen des Künstlers.

René Magritte, 1898 geboren, wächst in bürgerlichen Verhältnissen auf. Seine Mutter nimmt sich das Leben, als er 13 Jahre alt ist. Noch als Jugendlicher wird er Schüler der Akademie der Schönen Künste in Brüssel. Er heiratet 1922 Georgette, die ihm auf Lebenszeit Muse und Modell wird.

In Paris lernt Magritte 1927 die Gruppe um den Surrealisten André Breton kennen, trifft Dalí und Miro, bevor er nach Brüssel zurückkehrt. Magritte malt und zeichnet mit Detailtreue und sehr konkret. „Alles in meinen Arbeiten kommt aus der Gewissheit, dass wir in Wirklichkeit Teil eines rätselhaften Universums sind“, erklärt Magritte. Als er 1967 in Brüssel stirbt, hat er Weltruhm erlangt.

Seine Variationen über die „Herrschaft des Lichts“ findet man im Museum of Modern Art in New York und in der Guggenheim-Kollektion. Das Plattenlabel der Beatles und der iPod zitieren seinen grünen Apfel, Paul Simon widmete ihm ein Lied. In seiner Heimat Belgien fehlte jedoch bislang eine Gesamtschau seines Œuvre.

Im neuen Magritte- Museum ist auch das Gemälde „When the hour strikes“ (1964–1965) zu bewundern. Foto: AP
Im neuen Magritte- Museum ist auch das Gemälde „When the hour strikes“ (1964–1965) zu bewundern. Foto: AP
Seit Juni 2009 aber beherbergt mitten in Brüssel ein kostbar renoviertes Palais das neue „Musée Magritte Museum“. Die Besucher standen zur Eröffnung Schlange: Schwarze Melonenhüte auf dem Kopf, grüne Äpfel in der Hand, so als hätte der Meister selbst die Feier inszeniert. Die Sammlung präsentiert 200 Gemälde sowie Skulpturen, Fotos und Zeichnungen. Außerdem sind amüsante Kurzfilme von Magritte zu sehen. Das Museum inszeniert das Thema „Licht“, indem es in fensterlosen Sälen nur die Exponate hell ausleuchtet.

Nicht zu verwechseln mit dem neuen „Magritte-Tempel“ ist das kleine „René Magritte Museum“ in einem Reihenhaus im Brüsseler Norden, wo der Künstler 24 Jahre lang wohnte. Da sich manches aus diesem Haus in den Gemälden wiederfindet, bleibt der Besuch dieser Privatsammlung auch in Zukunft eine Option. Die irritierende Namensgleichheit der zwei so unterschiedlichen Magritte-Museen hätte das Ehepaar René und Georgette sicher amüsiert.
Dr. rer. medic. Christine Laufersweiler-Plaß
Informationen: www.musee-magritte-museum.be; www.magrittemuseum.be
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