ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2010Aussenseiterkunst: Hans Werner Padberg – Collagen aus Holz

KUNST UND SEELE

Aussenseiterkunst: Hans Werner Padberg – Collagen aus Holz

PP 9, Ausgabe Januar 2010, Seite 2

Starmanns, Andreas

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Am Ende – nach einem langwierigen Prozess des Zusammenfügens – bemalt Padberg seine Objekte. Foto: Eberhard Hahne
Am Ende – nach einem langwierigen Prozess des Zusammenfügens – bemalt Padberg seine Objekte. Foto: Eberhard Hahne
Holzabfälle jeder Art bieten die Grundbausteine für die Kunst Hans Werner Padbergs. Die einzelnen, nicht weiter bearbeiteten Stücke werden zu Objekten collagiert, die schon einmal weit über die Größe des Künstlers selbst hinauswachsen können. Dabei wird geschraubt, geleimt und genagelt, wobei Padberg mit Zielstrebigkeit vorgeht und – ansonsten zurückgezogen und einzelgängerisch – mit Freude auch andere einbezieht, um seine Ziele zu erreichen. Fragen nach dem Warum oder Was beantwortet er nicht. Die Objekte haben ihren Platz und sind nicht austauschbar. Als letzten Arbeitsschritt fügt er dem Objekt ganz oder teilweise Farben hinzu, wobei er mit reinen, ungemischten Farben arbeitet. Am Ende wird eine klare Gestaltung erkennbar, es bilden sich Schwerpunkte, freie Flächen und Perspektiven. Konkretisierungen, ob es sich zum Beispiel um die Darstellung eines Waldes oder eine futuristische Stadtarchitektur handeln könnte, bleiben allerdings dem Betrachter überlassen. Hans Werner Padberg äußert sich hierzu nicht, obwohl er sprachlich dazu imstande wäre. Wir dürfen ihn also zu Recht als abstrakten Künstler verstehen.

Was sich durch die meisten seiner Werke zieht, sind das Material Holz und die Objektcollage. Es finden sich keine weiteren seriellen Momente. Jedes Werk ist einzigartig, auf den ersten Blick vom anderen zu unterscheiden und doch auf den gleichen ersten Blick klar ein „Padberg“. Sich selbst und seine Welt gestalten, die Welt aus dem, was man in ihr findet zusammenfügen, zu einer Einheit werden lassen, was zuvor ungeordnet und zusammenhanglos schien, diese Grundfunktionen gestalterischer Tätigkeit – und nicht zuletzt auch psychotherapeutischer Tätigkeit – finden sich in der Kunst von Hans Werner Padberg und helfen ihm, sich selbst zu finden und zu präsentieren.

Der Intelligenztest misst, was der Intelligenztest misst. Welches Testverfahren misst gestalterische Fähigkeiten? Wie wichtig ist für die seelische Gesundheit eines gestalterisch begabten Menschen die Möglichkeit, seine Fähigkeiten auch ausleben zu können? Wie weit beziehen wir solche Ressourcen in unsere Therapien ein? Braucht ein Mensch mit gestalterischen Fähigkeiten einen Therapeuten oder reicht es aus, ihm die Möglichkeit zur Gestaltung zu bieten? Woher ich diese Fragen nehme? Aus den Holzresten von Hans Werner Padberg.

Andreas Starmanns
Arzt im Heimbereich des Alexianer-Krankenhauses Münster


Biografie Hans Werner Padberg
Geboren 1960 in Hamm. 1981 Aufnahme im Alexianer-Krankenhaus. Hans Werner Padberg lebt in einer Außenwohngruppe in Hiltrup. Er hat einen eigenen Arbeitsplatz im Atelier der Haus-Kannen-Künstler, wo er insbesondere Holzobjekte erstellt. Die Objekte bestehen vor allem aus Holzplatten und -blöcken, die er über- und nebeneinander anbringt, so dass eigenwillige „Landschaften“ entstehen. Durch die horizontale, vertikale und diagonale Anordnung gewinnen die Arbeiten an beeindruckender Dynamik.
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