ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1997Topisches Steroid Budesonid: Hohe Akzeptanz bei jungen Patienten

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Topisches Steroid Budesonid: Hohe Akzeptanz bei jungen Patienten

Ajnwojner, Susi

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LNSLNS Topische Steroide sind in der Asthmatherapie seit Jahren etabliert und aus den modernen Behandlungsschemata gar nicht mehr wegzudenken. Jetzt halten diese Substanzen Einzug in die Behandlung der chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen. Budesonid, aus der Asthmatherapie wohlbekannt, ist seit 15. Mai als erstes vorwiegend topisch wirksames Steroid zur Behandlung von Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa im Handel. Es wird sowohl als Klysma als auch in Kapselform angeboten. Damit steht den oft steroidpflichtigen Crohn- und Colitis-ulcerosa-Patienten eine effektive Therapieform zur Verfügung, bei der die typischen unerwünschten Wirkungen einer systemischen Kortikoidtherapie sehr viel seltener auftreten.
Topische Steroide wie das Budesonid, das als Entocort® (Astra GmbH) vertrieben wird, verfügen über wesentlich günstigere pharmakodynamische und -kinetische Eigenschaften als herkömmliche lokal wirksame Kortisonderivate, erläuterte der Pharmakologe Prof. K.-U. Petersen (RWTH Aachen) anläßlich der Markteinführung in Frankfurt.
Budesonid besitzt eine 15fach stärkere antientzündliche Aktivität als Prednisolon. Rektal oder oral appliziert, erreicht es leicht seine Wirkorte in der Darmwand. Nach der Resorption aus dem Darm wird es bereits bei der ersten Leberpassage zu etwa 90 Prozent in praktisch unwirksame Abbauprodukte metabolisiert. Diesem ausgeprägten First-pass-Effekt sei die im Vergleich zu Prednisolon wesentlich geringere systemische Verfügbarkeit und damit ein entsprechend niedrigeres Risiko für unerwünschte Wirkungen zu verdanken, erklärte Petersen. So bleibe der Plasmacortisolspiegel als Maß für die Nebennierenrindensuppression unter einer Behandlung mit Budesonidklysmen (2 mg/100 ml) nahezu unverändert, während er unter einer Therapie mit Prednisolon deutlich sinkt. Bei einer Therapie mit Budesonid-Kapseln in einer Dosis von 9 mg/die, wie sie im akuten Schub des Morbus Crohn indiziert ist, komme es zwar ebenfalls zu einer leichten Suppression, die aber reversibel ist, wenn die Tagesdosis auf 6 mg zurückgenommen werde, so Petersen.
Etwa zwei Drittel aller Colitis-ulcerosa-Patienten leiden an einer Proktosigmoiditis, die einer lokalen antientzündlichen Therapie mit Zäpfchen, Einläufen und Schäumen gut zugänglich ist, berichtete Prof. Franz Hartmann (Frankfurt). Bisher kommen dabei Sulfasalazin und Mesalazin sowie Kortisonderivate wie Prednisolon, Betamethason und Hydrokortison zum Einsatz. Neue Studien mit Budesonid hätten jetzt gezeigt, daß das topische Steroid rektal in einer Dosierung von 2 mg/100 ml, als Klysma einmal täglich abends verabreicht, eine ähnlich gute Wirkung habe wie eine rektale Therapie mit 30 bis 40 mg Methylprednisolon.
Bei der Langzeittherapie träten aber wegen der geringen Bioverfügbarkeit keine kortisonspezifischen Nebenwirkungen wie Mondgesicht, Akne und Gewichtszunahme auf. Die körpereigene Kortisonproduktion in der Nebenniere bleibe unverändert, berichtete Hartmann weiter. Nach vier Wochen Therapie gelinge es, mit Budesonid bei 30 bis 50 Prozent der Patienten das Entzündungsgeschehen zurückzudrängen, nach weiteren vier Wochen kämen zusätzlich 20 bis 30 Prozent der Patienten in Remission. Offene Fragen bestehen für den Frankfurter Gastroenterologen noch in der Frage der Kombinierbarkeit mit Sulfasalazin bei den 20 bis 40 Prozent der Patienten, die auf eine reine Budesonidtherapie nicht ansprächen.
Geklärt werden müsse weiterhin, ob und wie Budesonid remissionserhaltend wirke. In der Behandlung der akuten Phase des Morbus Crohn sind Kortisonderivate sehr effektiv. Zahlreiche multizentrische Studien hätten in den vergangenen Jahren gezeigt, daß vor allem Crohn-Patienten mit einer mittleren Erkrankungsaktivität von einer Budesonidtherapie pro-fitierten, erklärte Prof. H. Lorenz-Mayer (Friedrichshafen.) So kamen in einer Untersuchung an 177 Crohn-Patienten nach 14 Tagen 48 Prozent der mit Budesonidkapseln (9 mg/einmal täglich morgens) behandelten Patienten in Remission im Vergleich zu 37 Prozent der Patienten, die täglich 40 mg Prednisolon erhielten. Nach acht Wochen Behandlung lag die Remissionsrate in beiden Kollektiven bei 60 Prozent, berichtete Lorenz-Mayer.


Remissionstherapie
Aufgrund des deutlich niedrigeren Nebenwirkungsprofils von Budesonid war die Akzeptanz der neuen Therapieform bei den oft jugendlichen Patienten außerordentlich hoch. In einer vergleichenden Untersuchung wurden je 88 Patienten mit Budesonid oder Prednisolon behandelt. Dabei entwickelten in der Prednisolongruppe doppelt so viele Patienten ein Mondgesicht. Eine Akne trat viermal häufiger auf als in der Budesonidgruppe.
Auch für die Remissionserhaltung scheint Budesonid von Nutzen zu sein. So konnte in zwei Studien gezeigt werden, daß unter einer remissionserhaltenden Therapie mit 6 mg Budesonid pro Tag die Patienten bis zu 300 Tage lang beschwerdefrei waren im Vergleich zu zwei bis drei Monaten unter Plazebo. Alle Patienten waren in der Akutphase mit herkömmlichen Steroiden behandelt worden. Nach Ablauf eines Jahres hatte sich die Rezidivrate in beiden Patientengruppen aber wieder angeglichen.
Langfristig sei also mit keinem der derzeit zur Verfügung stehenden Therapeutika eine Verringerung der Rezidivrate zu erreichen, meint Lorenz-Mayer. Patienten, die in der beschwerdefreien Zeit Budesonid einnehmen, könnten einen neuen Krankheitsschub aber deutlich hinauszögern. Susi Ajnwojner

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