ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1997Instrumentenbau: Arzt mit Hillebille und Teufelsgeige

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Instrumentenbau: Arzt mit Hillebille und Teufelsgeige

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LNSLNS Die Harzer Volksmusik hat es Dr. med. Hans Walz angetan, besonders wenn sie auf historischen Harzer Instrumenten wie Teufelsgeige, Hillebille oder Köhlergeläut gespielt wird. Mindestens genauso wie die Musik selbst liebt der im Ostharzer Örtchen Stiege niedergelassene Arzt für Allgemeinmedizin und Lungenkrankheiten den Bau dieser heimischen Instrumente. Für seine besonderen Leistungen auf diesem Gebiet wurde Walz jetzt als erster Träger mit dem neu gestifteten "Kulturpreis Harz" ausgezeichnet. Durch diese mit 5 000 DM dotierte Auszeichnung würdigt der Regionalverband Harz die Verdienste des Leiters der Folkloregruppe "Stieger Walzmusikanten" um die Pflege des historischen Brauchtums der Region.
Eine Vorliebe für die Harzer Heimat-Musik gewann der heute 57 Jahre alte Walz schon bald, nachdem er im Jahr 1968 als frisch approbierter Arzt aus Erfurt an den Ostrand des Mittelgebirges gezogen war und im Albrechtshaus seine Facharztausbildung begann. Nach ersten Kontakten zu einheimischen Traditionspflegern wie den Kuhhirten in der Umgebung von Stiege begann der Mediziner 1976 mit dem Nachbau seines ersten Harzer Instrumentes, eines sogenannten Rumpelpottes für Kinder. Seither läßt ihn dieses ungewöhnliche Hobby nicht mehr los.
In schneller Folge machte sich Walz an den Bau von Instrumenten mit so exotisch klingenden Namen wie Harzer Köhlergeläut, Fadenreibtrommel, Hillebille, Gemshornschalmei oder Teufelsgeige. Die Anregungen und Informationen für den Bau der Instrumente bezog er dabei nicht nur aus der Fachliteratur, sondern zu einem großen Teil auch von älteren Harzbewohnern, die noch über Kenntnisse zu den traditionellen Instrumenten verfügten.
Mit seinen kunstvollen Nachbauten bewahre Dr. Walz die typischen Harzer Instrumente nicht nur vor dem Vergessen. Mit seinen "Stieger Walzmusikanten" verhelfe er der heimischen Musik auch zu neuer Popularität, würdigt der Regionalverband Harz das Engagement des Mediziners. Walz bringe "eine originäre kulturhistorische und künstlerische Leistung". Mit seinem Ensemble tritt der Arzt dabei nicht nur im Harz selbst auf. Die Folkloregruppe hat bereits Reisen nach Brasilien, Estland, Finnland, Polen, Ungarn und Rußland unternommen und dort Konzerte gegeben. In diesem Jahr planen die "Stieger Walzmusikanten" sogar eine Reise nach Peru. pid
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