ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2010Psychosoziale Nachsorge bei Organtransplantation
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Transplantation eines fremden Organs kann neben den dargestellten organpathologischen Folgeerkrankungen auch mit einer Vielzahl psychischer Belastungsreaktionen und seelischen Störungen verbunden sein.

Die körperlich schwer kranken Patienten verbinden mit der Organtransplantation die Hoffnung auf Gesundheit und Wohlergehen. Die Notwendigkeit einer lebenslangen medikamentösen Behandlung, die Möglichkeit eines Organversagens, die Schädigung anderer Organsysteme durch die Immunsuppression oder auch das mit ihr verbundene erhöhte Karzinomrisiko sind für viele Patienten mit einem angstfreien Leben und einer ausreichenden Lebensqualität nicht vereinbar. Um das Fremdorgan und die mit ihm verbundenen Lebensveränderungen nicht als Bedrohung sondern als etwas Hilfreiches erleben zu können, müssen derartige Risiken im Alltag der Betroffenen häufig verleugnet werden. Daraus können sich Schwierigkeiten bei der „Adherence“ ergeben. Hiermit bezeichnet man die Fähigkeit und die Bereitschaft eines Patienten, sich aktiv an der Umsetzung eines therapeutischen Regimes zu beteiligen. Dazu gehört zum Beispiel die verlässliche Einnahme der verordneten Immunsuppressiva. Non-Adherence ist nachweislich assoziiert mit einem erhöhten Risiko für akute Rejektionen, Infektionen und chronische Transplantatabstoßungen (1, 2).

Nach einer Transplantation ist die Angst vor Abstoßung und Transplantatversagen ein Belastungsfaktor, der postoperativ Ausgangspunkt für ängstliche und depressive Anpassungsstörungen sein kann. Ebenso kann die psychische Akzeptanz des Fremdorgans eine erhebliche Schwierigkeit darstellen und sich durch depressive Beschwerden oder Identitätsstörungen bemerkbar machen. Neuere Untersuchungen weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in der Nachsorge von einem erhöhten Bedarf an psychosozialer Betreuung ausgegangen werden muss (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0038a

Dr. med. Uwe Wutzler
Klinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Asklepios Fachklinikum Stadtroda
Bahnhofstraße 1a, 07646 Stadtroda
E-Mail: u.wutzler@asklepios.com

Dr. med. Margit Venner
Institut für Psychotherapie und angewandte Psychoanalyse
Westbahnhofstr. 10
07743 Jena
E-Mail: Margit.Venner@t-online.de
1.
De Geest S, Abraham I, Moons P et al.: Late acute rejection and subclinical non-compliance with cyclosporine therapy in heart transplant recipients. J Heart Lung Transplantation 1998; 17: 854–63 MEDLINE
2.
Vlaminck H, Maes B, Evers G et al.: Prospective study on late consequences of subclinical non-compliance with immunosuppressive therapy in renal transplant patients. Am J Transplantation 2004; 4: 1509–13 MEDLINE
3.
Schulz KH, Ewers H, Rogiers X, Koch U: Bedarf und Inanspruchnahme psychosozialer Betreuung nach Lebertransplantation. Psychother Psych Med 2007; 57: 221–30 MEDLINE
4.
Schrem H, Barg-Hock H, Strassburg CP, Schwarz A, Klempnauer J: Aftercare for patients with transplanted organs [Nachsorge bei Organtransplantierten]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(9): 148–55 MEDLINE
1. De Geest S, Abraham I, Moons P et al.: Late acute rejection and subclinical non-compliance with cyclosporine therapy in heart transplant recipients. J Heart Lung Transplantation 1998; 17: 854–63 MEDLINE
2. Vlaminck H, Maes B, Evers G et al.: Prospective study on late consequences of subclinical non-compliance with immunosuppressive therapy in renal transplant patients. Am J Transplantation 2004; 4: 1509–13 MEDLINE
3. Schulz KH, Ewers H, Rogiers X, Koch U: Bedarf und Inanspruchnahme psychosozialer Betreuung nach Lebertransplantation. Psychother Psych Med 2007; 57: 221–30 MEDLINE
4. Schrem H, Barg-Hock H, Strassburg CP, Schwarz A, Klempnauer J: Aftercare for patients with transplanted organs [Nachsorge bei Organtransplantierten]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(9): 148–55 MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige