ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1996Hepatitis-G-Virus häufig bei Drogenabhängigen

POLITIK: Medizinreport

Hepatitis-G-Virus häufig bei Drogenabhängigen

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNSLNSLNS Vor einigen Monaten haben amerikanische Wissenschaftler ein bisher nicht bekanntes Hepatitis-
Virus nachgewiesen. Am Robert Koch-Institut in Berlin hat man mit der molekularen Feincharakterisierung dieses neuen Erregers, des Hepatitis-G-Virus (HGV), begonnen. Obwohl in den zurückliegenden Jahren insgesamt fünf verschiedene Typen von Hepatitis-Viren entdeckt worden waren, vermuteten Wissenschaftler seit Jahren, daß es ein oder mehrere zusätzliche infektiöse Erreger geben könnte, die für Lebererkrankungen verantwortlich sind. Es scheint nun, daß ein Teil dieser Erkrankungen auf Infektionen mit dem HGV zurückzuführen ist. Weit verbreitet ist das HGV offenbar bei i.v.-Drogenabhängigen, die als Risikogruppe auch für Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virusinfektionen bekannt sind. Eine erste Studie am Robert Koch-Institut an Hepatitis-CVirus-infizierten Drogenabhängigen hat ergeben, daß 36 Prozent (19 von 52) auch mit dem HGV infiziert sind. Erste amerikanische Studien gehen davon aus, daß ein bis zwei Prozent der Blutspender mit HGV infiziert sind, anscheinend also sogar mehr als mit dem Hepatitis-C-Virus. Eine Teilanalyse des Viruserbguts zeigte, daß sich die Hepatitis-G-Viren aus den einzelnen Patientenseren teilweise erheblich unterscheiden. Der Übertragungsweg von HGV ist noch ungeklärt. Das häufig gemeinsame Auftreten von HGV mit dem Hepatitis-C-Virus in einem Patienten läßt auf gemeinsame Risikofaktoren für diese Hepatitis-Virusinfektionen schließen. Ein Antikörpertest zum Nachweis von HGV ist noch nicht verfügbar. Boehringer Mannheim bietet als erste Pharmafirma einen Test an, der die Nukleinsäure des Virus im Serum nachweist. Seine Empfindlichkeit liegt bei 1 000 Virusgenomäquivalenten pro Milliliter. EB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote