ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2010Hirnforschung: Erfrischend andersartig

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Hirnforschung: Erfrischend andersartig

Dtsch Arztebl 2010; 107(3): A-94 / B-80 / C-80

Feld, Michael

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Manfred Spitzer, Wulf Bertram: Hirnforschung für Neu(ro)- gierige. Braintertainment 2.0. Mit einem Epilog von Eckart von Hirschhausen. Schattauer, Stuttgart, New York 2010, 400 Seiten, gebunden, 29,95 Euro
Manfred Spitzer, Wulf Bertram: Hirnforschung für Neu(ro)- gierige. Braintertainment 2.0. Mit einem Epilog von Eckart von Hirschhausen. Schattauer, Stuttgart, New York 2010, 400 Seiten, gebunden, 29,95 Euro
Nach ihrem vielbeachteten Erstlingswerk „Braintertainment“ geben der ubiquitär präsente Psychiater, Lern- und Hirnforscher Manfred Spitzer und der Verleger, Arzt und Psychotherapeut Wulf Bertram ihren zweiten Reiseführer in die geheimen Windungen des Gehirns heraus, um wiederum im Chor mit diversen klugen und beredten Autoren noch mehr Licht in die verborgene Schaltzentrale zu bringen.

Gerade die Mixtur der hier versammelten Schreiber – allesamt renommierte Experten auf ihrem Gebiet – mit ihren unterschiedlichen (und überaus bunten) Einzelbetrachtungen des weiß-grauen Glibber-Servers ist eine lesewonnige Besonderheit. Hier spannt sich der Bogen von den beiden Herausgebern über den Kabarettisten (und Physiker) Vince Ebert, den Medizinhistoriker Axel Karenberg, den Physiologen Johann Caspar Rüegg, die Spiegel-Redakteurin Rafaela von Bredow und die Psychoanalyterikerin Anna Buchheim bis hin zu den beiden Neurobiologen Günther Schiepek und Dieter Vaitl sowie dem Traumforscher Michael H. Wiegand, um nur einige der 25 Autoren dieses Lesebuchs zu nennen.

Thematisch umrundet „Hirnforschung für Neu(ro)gierige“ einmal den zerebralen Erdball, ohne dabei verständnishafte oder spannungsbezogene Notlandungen machen zu müssen. Im Gegenteil: Gerade durch die erfrischend andersartige Darstellung des sonst oft dröge zu lesenden Fachstoffs trägt das Buch den Leser behende durch die Lüfte des Geistes. Besonders gut gelungen ist der Brückenschlag zwischen den seit Descartes so explizit getrennten Welten des Leibes und der Seele, der „harten“ naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise der Neurobiologie, Neurokognition oder des Neuroimagings und der eher „soften“ geisteswissenschaftlichen Herangehensweise der Psychoanalyse, Traumdeutung oder Medizingeschichte.

Spätestens seit eindeutigen Befunden aus funktioneller Kernspintomographie und Positronen­emissions­tomo­graphie bezüglich positiver hirnmorphologischer und -funktioneller Veränderungen nach einer Psychotherapie sollte auch dem letzten dogmatisch-verschulten Zweifler klar sein, dass (bestärkende wie entwertende) Worte das Gehirn verändern und dass der „Arzt als Arznei“ eine definitiv auch „hirnpharmakologische“ Wirkung hat. Es bilden sich deshalb neben neuronalen auch zunehmend zwischenmenschliche (Forscher-)Netzwerke aus, die eben genau diesen Verknüpfungen natur- und geisteswissenschaftlicher Hirnbetrachtung mit kriminalistischem Spürsinn auf den Fersen sind. Michael Feld
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