ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2010DVD: Expeditionen ins Menschenreich

KULTUR

DVD: Expeditionen ins Menschenreich

Dtsch Arztebl 2010; 107(3): A-95

Osterloh, Falk

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Der Dokumentarfilm „In die Welt“ zeigt unverstellt und ohne Pathos die täglichen, existenziellen Ereignisse in einer Wiener Frauenklinik.
Der Dokumentarfilm „In die Welt“ zeigt unverstellt und ohne Pathos die täglichen, existenziellen Ereignisse in einer Wiener Frauenklinik.
Die Ignaz-Semmelweis-Frauenklinik im Westen von Wien. Etwa 5 500 Patientinnen werden dort pro Jahr stationär behandelt. Sie ist der Schauplatz der jahrtausendealten, jeden Tag neuen Menschwerdung. Und sie ist der Schauplatz von Constantin Wulffs Dokumentarfilm „In die Welt“. Dem Regisseur geht es nicht um einzelne Schicksale, sondern um das große Ganze. Hier eine Geburt. Dort ein Kaiserschnitt, eine Ultraschalluntersuchung, eine Putzkolonne. Jeder Mensch trägt seinen Teil dazu bei, dass Tag für Tag dieses immense Räderwerk Krankenhaus funktioniert.

Was die Begründer des Direct Cinema vor 50 Jahren postulierten, gelingt Wulff auf beeindruckende Weise: Die Gegenwart der Kamera soll die gefilmte Realität so wenig wie möglich verändern. Und obwohl die Geburt ein an Intimität kaum zu überbietender Moment ist, wird die Nähe von Regisseur und Kameramann in keinem Moment durch die Emotionen der Menschen reflektiert. Es ist Wulffs großes Verdienst, den Zuschauer in diesen Momenten der Intimität nicht in die Position eines Voyeurs zu bringen. Er bleibt ein stets sachlicher Beobachter des faszinierenden Beginns eines Menschenlebens, ein Beobachter existenzieller Ereignisse, die normalerweise hinter Kreißsaaltüren ablaufen. Doch bei aller Sachlichkeit wird zwischen den Zeilen deutlich, wie unersetzlich die Menschlichkeit auch und gerade im stressigen Klinikalltag ist. fos
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