ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1997Börsebius über Dubioses: Dummdreist

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Dubioses: Dummdreist

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wer eine Praxis sucht und derenthalber eine Annonce aufgibt, muß noch lange nicht mit passenden Antworten rechnen. Dies erfuhr ein Mannheimer Nuklearmediziner (und wer alles noch) dieser Tage. Zu seiner nicht gelinden Verwunderung erhielt er Post von einem gewissen Dr. Hartmannsdorf, Unternehmensbereich Immobilien.
In der "persönlichen Information" über steuerfreie und notariell abgesicherte Erträge wird für eine Geldanlage geworben, die nach eigenem Bekunden alle Voraussetzungen an Sicherheit, Ertrag und Wachstum "vorbildlich" erfüllte.
Gegen einen Anlagebetrag von 30 000 Mark verspricht ihm Dr. Hartmannsdorf bei einer Laufzeit von 24 Monaten jährliche Zinsen von 11,20 Prozent. Das ist ja toll. Das ist aber noch nicht alles. Zusätzlich kann ich mit einer "möglichen" Dividende von sechs Prozent rechnen. Das ist ja noch toller.
Flugs reiche ich also zum Telefon, um Details zu dieser famosen Geldvermehrungsofferte zu erfahren. Es handele sich hier um eine Immobilienbeteiligung, wohl aber nicht um einen geschlossenen Immobilienfonds, erfahre ich von einem Herrn. Und zwar gehe es hier um ein Sanierungsobjekt in der Nähe von Leipzig.
Da bin ich aber baff. Wieder nix mit einer Geldanlage, die sicher ist und jede Menge Kohle abwirft. Hochriskante Sache und bloß viel Blabla, scheint mir. Es wird mir überdies immer ein Rätsel bleiben, wie versprochene Zinsen und mögliche Dividenden als steuerfreie Erträge angepriesen werden können.


Kurioses Angebot
Daß es aber noch eine Spur dümmer geht, durfte ein Orthopäde aus dem Schwäbischen erleben. Der erhielt von einem gewissen Detlef Lange aus Horbach ein wirklich kurioses Beteiligungsangebot. Lange und seine Familie beabsichtigten nämlich, sich selbständig zu machen, und sie seien so nett, den Orthopäden daran zu beteiligen, wenn er nur wolle.
Aber, so die gründungswillige Familie, es sollten schon wenigstens 10 000 Mark oder mehr sein. Er brauche nur den beiliegenden Überweisungsträger auszufüllen, was im übrigen schon zur Annahme des Angebotes ausreiche. Falls dem Orthopäden das alles aber nicht zusage, könne er auch bloß eine Spende leisten. In welcher Höhe, das läßt der Schreiber unvorsichtigerweise offen.
Alles in allem wundere ich mich doch sehr darüber, mit welcher Unverfrorenheit die Leute zu Werke gehen. Das hat Heinrich Friedrich Jacobi in seinem "auserlesenen Briefwechsel" aus dem Jahr 1781 durchaus richtig erkannt, als er schrieb: "In der Dummheit ist eine Zuversicht, worüber man rasend werden könnte." Börsebius

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