ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2010Wanderausstellung: Zur „Aktion T4“

KULTUR

Wanderausstellung: Zur „Aktion T4“

Dtsch Arztebl 2010; 107(3): A-95

Jachertz, Norbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ein bisher wenig bekanntes Kapitel der nationalsozialistischen Rassenpolitik beleuchtet eine Ausstellung, die vom 27. Januar bis 31. März in Pirna-Sonnenstein gezeigt wird: die NS-Euthanasie im Reichsgau Sudetenland und im Protektorat Böhmen und Mähren. Das Mordunternehmen folgte dem aus dem Deutschen Reich bekannten Muster: Aktion T4 (benannt nach der Berliner Tiergartenstraße 4) und „dezentrale“ Euthanasie durch Verhungern und Medikamente, „Behandlung“ in sogenannten Kinderfachabteilungen. Besonderheiten in den besetzten Gebieten waren, dass in erster Linie Deutsche die Opfer waren, während Tschechen zunächst nicht einbezogen wurden, und dass manches nur Planung blieb. Stets aber zählten Juden zu den Opfern.

Die Ausstellung mit vielen Textdokumenten und Bildern arbeitet neueste Erkenntnisse auf und veranschaulicht beunruhigend, wie bürokratisch gnadenlos vorgegangen wurde. Gelegentlich gab es indes Widerstand, hinhaltend von tschechischer Seite, offen aber ergebnislos durch den ärztlichen Leiter der Anstalt Troppau (Opava), Dr. Karl Girschek. Pirna-Sonnenstein ist nach Theresienstadt (Terezín) die zweite Station der Wanderausstellung. Nicht von ungefähr: Auf dem Sonnenstein kamen durch Gas Hunderte von Patienten aus dem „Reichsgau“ um, weitere in Hartheim/Österreich. Jüdische Patienten wurden ins Ghetto Theresienstadt und von dort nach Auschwitz deportiert. Die Gedenkstätten Sonnenstein, Hartheim und Terezín waren denn auch an der Konzeption der Ausstellung beteiligt, dazu das Institut für Zeitgeschichte der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Die Ausstellung zeugt somit auch vom gemeinsamen Bemühen um Aufarbeitung. Norbert Jachertz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema