ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2010Beinprothesen: Langzeittest zu Belastungen

TECHNIK

Beinprothesen: Langzeittest zu Belastungen

Dtsch Arztebl 2010; 107(3): A-97 / B-82 / C-82

EB

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Das Messsystem ist in die Prothese integriert. Foto: TU Berlin/FG Medizintechnik
Das Messsystem ist in die Prothese integriert. Foto: TU Berlin/FG Medizintechnik
Mehr als 150.000 Menschen in Deutschland leben mit einer Beinprothese. Wie Oberschenkelamputierte in ihrem Alltag mit dem Kunstbein agieren, war bislang weitgehend unbekannt. Jetzt haben Wissenschaftler vom Innovationszentrum Technologien für Gesundheit und Ernährung (IGE) der Technischen Universität Berlin in Kooperation mit Entwicklern der Otto Bock Health Care GmbH ein Messsystem entwickelt, das es ermöglicht, über einen langen Zeitraum hinweg alle Bewegungen, die der Amputierte in seinem Alltag mit der Prothese ausführt, zu erfassen und auszuwerten.

Vor 30 Jahren wurde zum letzten Mal bei Kurzbelastungstests die Beanspruchung von Prothesen untersucht. Die damaligen Testergebnisse waren Grundlage für eine Prothesennorm, die bis heute gültig ist. Mit den Daten der aktuellen Untersuchung wollen die Forscher unter anderem eine solide realistische Datengrundlage für eine Überarbeitung der Norm liefern.

15 Probanden bekamen ein Jahr lang einen circa handtellergroßen Messblock in ihr künstliches Bein eingebaut. In dem quadratischen Metallgehäuse sind sogenannte Dehnungsstreifen mit Metallgittern an verschiedenen Positionen platziert. Die Metallgitter verformen sich bei unterschiedlicher Belastung verschieden stark, wobei ein messbarer elektrischer Widerstand entsteht. Diese Daten werden auf einer Speicherkarte gesammelt, die die Forscher am Computer auswerten können.

Bei dem Langzeittest wurde unter anderem geprüft, in welchem Maß die Prothese tatsächlich belastet wird: Wie lange läuft der Proband am Tag? Wie häufig steigt er Treppen, kniet, sitzt er oder fährt Fahrrad? Wie wird die Prothese bei den verschiedenen Aktionen belastet? Um die Daten, die die Untersuchten regelmäßig auf ihren Speicherkarten bei den Wissenschaftlern ablieferten, genau zuordnen zu können, haben die Probanden mit den Messadaptern zuvor auf einem Testparcours alle Bewegungsmuster durchlaufen.

Schon jetzt steht fest, dass die Probanden wesentlich mehr Schritte gehen als angenommen. Zehn der Testpersonen sind zudem mit einem C-Leg versorgt, einer Prothese mit Hightechkniegelenk, die rund 20 000 Euro kostet. Untersucht wurde auch, ob sich diese Testpersonen mehr oder weniger bewegen als Nichtamputierte. Der Test soll auch einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Patienten liefern, denn um das teure Hightechbein zu erhalten, müssen die nach einem Unfall ohnehin traumatisierten Patienten häufig lange Kämpfe mit den Krankenkassen ausfechten.

Das Projekt wird mit 500 000 Euro von der Otto Bock GmbH gefördert. EB
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