Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ob Rauchen Lifestyle oder Sucht ist, wird gesellschaftspolitisch kontrovers, meist emotional und oft von wirtschaftlichen Überlegungen beeinflusst diskutiert. Bei solchen Debatten bleibt meistens unberücksichtigt, dass es sich bei Tabakrauch, wie bei anderen psychoaktiven Substanzen, nicht um ein „entweder/oder-“, sondern um ein „sowohl/als auch-Phänomen“ handelt. Deutschlandweit gibt es Millionen nichtabhängiger (Lifestyle-)Raucher, die ihr Rauchverhalten selbst bestimmen, aber auch Millionen körperlich und psychisch vom Rauchen abhängige Menschen, die ihr Rauchverhalten individuell nicht mehr steuern können. Tabakrauch kann deshalb nicht bedingungslos als Suchtmittel bewertet werden, besitzt aber ein sehr hohes Suchtpotenzial: Die Nikotinabhängigkeit, ermittelt nach dem Fagerström-Test, von 356 Rauchern zwischen 15 bis 64 Jahren in Berlin lag durchschnittlich bei 37,2 Prozent (1)

Nach ICD 10, F17 ist Tabakabhängigkeit eine Krankheit. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind deutschlandweit etwa 7, 2 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen, meistens ohne Kenntnis davon zu haben. Tabakabhängigkeit ist damit nicht nur Hauptursache von „Volkskrankheiten“ wie COPD, KHK und Karzinomen, sondern die Volkskrankheit, die wahrscheinlich am meisten unterschätzt wird. Die Unterteilung in nichtabhängige und abhängige Raucher hat nicht nur statistische, sondern vor allem therapeutische und gesundheitsökonomische Relevanz. In der ersten Gruppe sind niedrigschwellige Angebote zur Suchtprävention oft ausreichend, abhängigen Rauchern sollte eine leitlinienorientierte Suchtbehandlung durch speziell weitergebildete Psychologen und Ärzte angeboten werden.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0059a

Dr. med. Karl-Heinz Bauer
Köhnholz 17c, 25336 Elmshorn
E-Mail: kaba.elmshorn@t-online.de
1.
Kraus L, Rösner S, Baumeister SE, et al.: Epidemiologischer Suchtsurvey 2006. Repräsentativerhebung zum Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen bei Jugendlichen und Erwachsenen in Berlin. IFT-Bericht Bd.167, München 2008.
2.
Breitling L, Rothenbacher D, Stegmaier C, Raum E, Brenner H: Older smokers’ motivation and attempts to quit smoking: Epidemiological insight into the question of lifestyle versus addiction [Aufhörversuche und -wille bei älteren Rauchern – Epidemiologische Beiträge zur Diskussion um „Lifestyle“ versus „Sucht“]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(27): 451–5 VOLLTEXT
1. Kraus L, Rösner S, Baumeister SE, et al.: Epidemiologischer Suchtsurvey 2006. Repräsentativerhebung zum Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen bei Jugendlichen und Erwachsenen in Berlin. IFT-Bericht Bd.167, München 2008.
2. Breitling L, Rothenbacher D, Stegmaier C, Raum E, Brenner H: Older smokers’ motivation and attempts to quit smoking: Epidemiological insight into the question of lifestyle versus addiction [Aufhörversuche und -wille bei älteren Rauchern – Epidemiologische Beiträge zur Diskussion um „Lifestyle“ versus „Sucht“]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(27): 451–5 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige