ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2010Randnotiz: Neidische Ökonomen

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Randnotiz: Neidische Ökonomen

Dtsch Arztebl 2010; 107(4): A-119 / B-103 / C-103

Stüwe, Heinz

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LNSLNS Aus ärztlicher Sicht sind die Ökonomen fein heraus. Welche andere Berufsgruppe hat schließlich so viel Einfluss gewonnen im Gesundheitswesen? Umso überraschender, dass die Wirtschaftswissenschaftler neidisch auf die Ärzte sind. Zumindest hätten sie allen Anlass dazu, meint Prof. Dr. Detlef Fetchenhauer, Wirtschafts- und Sozialpsychologe an der Universität zu Köln. Denn Mediziner würden zu 33 Prozent von der Bevölkerung als glaubwürdig eingestuft, 62 Prozent der Befragten billigten ihnen ein hohes Ansehen zu. Die Vergleichszahlen für die Wirtschaftswissenschaftler von 14 und 15 Prozent nehmen sich dagegen mickrig aus. Laien folgten den Empfehlungen von Ärzten, nicht aber denen der Ökonomen, konstatiert Fetchenhauer, wobei er die Volkswirte meint, als jene Ökonomen, die sich über die richtige Wirtschaftspolitik den Kopf zerbrechen. Ein sehr renommierter Vertreter dieser Zunft, zu seinem eigenen Schutz an dieser Stelle nicht namentlich genannt, versuchte sich an einer Erklärung: Die Mediziner immunisierten sich durch ihre Sprache gegen Kritik („Wer versteht schon seinen Arzt?“), von einem ökonomischen Thema wie „Mindestlohn“ dagegen glaube jeder etwas zu verstehen. Für solche Ablenkungsmanöver gibt es mildernde Umstände: Das Selbstbewusstsein der Ökonomen hat Kratzer bekommen, weil sie die Finanzkrise nicht vorhergesehen haben und weil sie spüren, dass das Vertrauen in freie Märkte erschüttert ist. Auf der Jahrestagung des Instituts der deutschen Wirtschaft bestand denn auch Konsens darin, dass in einer freien Wirtschaft und Gesellschaft jenseits der notwendigen Regeln eine „Individualethik“ unverzichtbar ist. Man könnte auch von Anstand sprechen.
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