GELDANLAGE

Börsebius: Licht aus

Dtsch Arztebl 2010; 107(4): A-159 / B-139 / C-135

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LNSLNS Volkswirtschaftler nennen die Verschwendung von Ressourcen Fehlallokation, der gesunde Menschenverstand blickt bei vermeintlich bombensicheren Geschäften ahnungsvoll dem wehen Ende entgegen. Die Aufstellung von Solaranlagen war so eine jahrelang sichere Kiste mit ziemlich einfachem gleichwohl hochgradig wirkungsvollem Geschäftsmodell: Ein Häuslebauer stellte sich eine Solaranlage aufs Dach, und der Staat garantierte ihm 20 Jahre lang einen Preis für die Kilowattstunde, der teilweise doppelt so hoch wie der reguläre Haushaltsstrom lag.

Die privaten Investoren erzielten so zweistellige Traumrenditen, und die Solarfirmen verdienten sich ebenfalls eine goldene Nase – alles zulasten staatlicher Subventionen. Der sagenhafte Kursanstieg der Solaraktien war somit im Ergebnis nur eine zwangsläufige Folge dieser Politik (Anschubfinanzierung der Photovoltaik), die am Ende aber alle über eine höhere Stromrechnung zu bezahlen hatten.

Nun hat aber bei den verantwortlichen Stellen ganz offensichtlich ein klarer Paradigmenwechsel eingesetzt, aus dem erkennbar wird, dass nunmehr die Sonne weniger Rendite bringt. Betroffen sind die Käufer von Photovoltaikanlagen ab dem 1. April dieses Jahres, vermutlich aber von jetzt auf gleich auch die Aktionäre von Solaraktien.

Die Vergütung für Solarstromanlagen (Dachanlagen ab 1. April und Freiflächen ab 1. Juli) wird nach einem Beschluss der Bundesregierung um 15 Prozent gekürzt, im Januar 2011 nochmals um zehn Prozent.

Mit lautem Geschrei quittierte die Photovoltaikbranche die nun verkündeten Beschlüsse. Günter Cramer, Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft und Chef von SMA-Solar, malte das Schreckgespenst an die Wand, dass Dutzende deutscher Solarfirmen vor der Insolvenz stünden.

Diese Quengelei ist mit der gebotenen Vorsicht zu genießen, schließlich hat sich von der Branche auch nie einer beschwert, zu viel und zu lange goldene Eier verdient zu haben. Dennoch ist ein gewisses Heulen und Zähneklappern berechtigt, denn die meisten Firmen müssen nun von Grund auf lernen, mit dem Rechenschieber umzugehen und Profitabilität zu kalkulieren. Das wird nicht allen gelingen und daher sind Solaraktien im Moment keine erleuchtenden Anlageideen.
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