ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2010Ärztlicher Stellenmarkt: Der Ärztemangel verfestigt sich

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Ärztlicher Stellenmarkt: Der Ärztemangel verfestigt sich

Dtsch Arztebl 2010; 107(4): A-161 / B-141 / C-137

Martin, Wolfgang

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Die Situation auf dem ärztlichen Stellenmarkt hat sich nicht verschärft.
Die Zahl der Stellenausschreibungen für Fachärztinnen und Fachärzte im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) ist im Jahr 2009 leicht um circa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Allerdings sollte man diese Entwicklung nicht überbewerten. Auch nach dem letzten Ausschreibungshoch im Jahr 2002 ging die Nachfrage erst einmal zurück, bevor sie dann ab 2004 exponentiell anstieg.

Einen Vergleich der Nachfragesituation in den Fachgebieten ermöglicht der Facharztindex (siehe Grafik). Für diesen wird die Zahl der für ein Fachgebiet im DÄ veröffentlichten Stellenanzeigen ins Verhältnis zur Zahl der in diesem Fachgebiet angestellt tätigen Ärzte gesetzt. So erhält man einen Indexwert, der angibt, wie viele Fachärzte rechnerisch auf eine Stellenausschreibung entfallen. Je niedriger der Indexwert, desto kleiner ist für Fachärzte die Zahl potenzieller Mitbewerber und desto weniger Bewerbungen werden voraussichtlich beim Krankenhaus eingehen.

Die Liste der Top Ten gibt an, in welchen Fachgebieten Stellenbesetzungen besonders schwierig sind. Für die Fachgebiete auf den folgenden Plätzen bedeutet dies aber nicht, dass die Bewerbersituation hier entspannt wäre. Denn in den letzten Jahren hat sich die Nachfragesituation über alle Fachgebiete hinweg dramatisch verändert: Kamen 2004 im Durchschnitt 24,3 Fachärzte auf eine Stellenausschreibung im DÄ, waren es vier Jahre später nur noch 14,1. 2009 lag der Vergleichswert mit 16 etwas höher.

Wie auch in den letzten Jahren wird der Index angeführt von Facharztbezeichnungen aus dem Spektrum der Inneren Medizin und der Chirurgie. Hier zeigt sich, wie begehrt die Spezialisten unter den Fachärzten sind. Diese werden von den Krankenhäusern dringend benötigt, um die Profilierung ihres Leistungsspektrums voranzutreiben. Die Thoraxchirurgie machte den größten Sprung nach vorn: Hier verdoppelte sich innerhalb des letzten Jahres die Zahl der Ausschreibungen. Aber auch die Plastische Chirurgie und die Kinderchirurgie verzeichneten Zuwachsraten von 75 Prozent, die Hämatologie/Onkologie von 48 Prozent.

Spezialisten sind extrem knapp. Da hat sich die Situation gegenüber den Vorjahren nicht wesentlich verändert. Besonders prekär sah es im vergangenen Jahr in der Kinderchir-urgie aus: Insgesamt wurden 30 Positionen ausgeschrieben, die auch und gerade für junge Fachärzte infrage kamen. Im Jahr 2008 haben aber überhaupt nur 28 Ärzte ihre Weiterbildung in diesem Fachgebiet abgeschlossen. Damit wurden weniger Kinderchirurgen ausgebildet als eigentlich benötigt. In der Gefäßchirurgie sah es nicht viel besser aus: Auf die 109 Stellenausschreibungen 2009 konnten sich rein rechnerisch gerade mal 135 frischgebackene Gefäßchirurgen bewerben. Und auch in der Thoraxchirurgie, der Hämatologie/Onkologie sowie der Gastroenterologie kamen noch nicht einmal zwei Bewerber auf eine Stellenausschreibung.

Der Facharztindex gibt an, wie viele Fachärzte rein rechnerisch auf ein Stellenangebot entfallen. Je niedriger der Wert ist, desto kleiner ist die Zahl der Bewerber auf eine Stelle. Der Durchschnittswert der Fachgebiete insgesamt beträgt 16.
Der Facharztindex gibt an, wie viele Fachärzte rein rechnerisch auf ein Stellenangebot entfallen. Je niedriger der Wert ist, desto kleiner ist die Zahl der Bewerber auf eine Stelle. Der Durchschnittswert der Fachgebiete insgesamt beträgt 16.
Dass mindestens zwei Fachgebiete aus dem Spektrum Neurologie/Psychiatrie/Psychosomatik unter den Top Ten vertreten sind, hat schon Tradition. Im letzten Jahr tauschten lediglich die Psychiatrie und die Psychosomatische Medizin die Plätze. Keine Veränderung gab es hingegen beim Fachgebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Sinkende Ausschreibungszahlen bedeuten nicht automatisch, dass der Bedarf an Fachärzten kleiner wurde. Zuweilen ist eine (vorübergehende) Zurückhaltung bei der Schaltung von Stellenanzeigen auch eine Reaktion auf die zuvor gemachte Erfahrung, dass die Zahl der eingehenden Bewerbungen sukzessive gesunken ist. Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, dass die Zahl der Ausschreibungen ab der Jahresmitte um rund 17 Prozent gesunken ist, gegenüber moderaten 3,6 Prozent im ersten Halbjahr.

Insgesamt verlief die Entwicklung auf dem ärztlichen Stellenmarkt im Jahr 2009 in den einzelnen Tätigkeitsfeldern unterschiedlich. Während sich bei den Akutkrankenhäusern die Anzahl der Stellenausschreibungen um zehn Prozent verringert hat, gab es bei den Rehabilitationskliniken ein Minus von 23 Prozent. Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens schrieben dagegen etwas mehr Stellen aus als im Vorjahr. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass sie bei der Personalgewinnung wenig Möglichkeiten haben, andere Suchwege zu nutzen (wie die Einschaltung von Personaldienstleistern). Nahezu konstant blieb die Zahl der Anzeigen der Medizinischen Dienste der Kran­ken­ver­siche­rungen und der Medizinischen Versorgungszentren.
Dr. Wolfgang Martin
E-Mail: mainmedico@t-online.de
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