ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2010Hämoglobinopathien – eine Langzeitstudie über vier Jahrzehnte

MEDIZIN: Originalarbeit

Hämoglobinopathien – eine Langzeitstudie über vier Jahrzehnte

Hemoglobinopathies in Germany—A Longitudinal Study Over Four Decades

Dtsch Arztebl Int 2010; 107(5): 65-71; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0065

Kohne, Elisabeth; Kleihauer, Enno

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Hintergrund: Hämoglobinopathien zählen zu den häufigsten Erbkrankheiten der Weltbevölkerung mit hoher Prävalenz im Mittelmeerraum, in Afrika und in Asien. Durch die Zuwanderung von Millionen Menschen aus den Endemiegebieten nach Mitteleuropa ist die medizinische Bedeutung dieser ursprünglich in Deutschland seltenen Krankheitsgruppe stark angestiegen.
Methoden: In einer Langzeitstudie (1971–2007) wurden 100 621 Hämoglobinanalysen durchgeführt und retrospektiv ausgewertet. Klinische und hämatologische Details der Patienten wurden von den Einsendern mitgeteilt. Die Charakterisierung der Hämoglobindefekte erfolgte mit hämatologischen und proteinchemischen Methoden sowie – seit Mitte der 1980er-Jahre – in ausgewählten Fällen auch mittels DNA-Analysen. 73 % der Untersuchungen betrafen Patienten mit Migrationshintergrund, 27 % deutsche Patienten.
Ergebnisse: Bei 34 228 Personen (34 %) des Kollektivs wurde eine Hämoglobinopathie nachgewiesen. In den meisten Fällen (25 798 [25,6 %]) handelte es sich um Thalassämie-Syndrome, an zweiter Stelle standen die Hb-Anomalien (8 430 [8,3%]). Mit den Ergebnissen wird erstmals ein größerer Überblick vermittelt über Vorkommen, Spektrum und geographische Verbreitung der Hämoglobinopathien in Deutschland.
Schlussfolgerungen: Die vorliegenden Daten zeigen, dass Hämoglobindefekte ein relevantes Problem bei der heute in Deutschland lebenden Bevölkerung darstellen. Es handelt sich nicht um eine epidemiologische Studie, so dass die Repräsentativität der Daten schwer einzuschätzen ist. Die bemerkenswerte genetische und klinische Variabilität erfordert spezialisierte analytische Labormethoden, um eine korrekte Diagnose zu gewährleisten, die als Grundlage für optimale therapeutische Entscheidungen dient.
LNSLNS Hämoglobinopathien zählen zu den häufigsten Erbkrankheiten der Weltbevölkerung. Etwa 4,5 % der Menschen sind Anlageträger einer Thalassämie oder Hb-Anomalie (13, e6). Die ursprünglichen Hauptverbreitungsgebiete erstrecken sich von Afrika über den Mittelmeerraum, den Nahen und Mittleren Osten bis nach Südostasien und in den indischen Subkontinent. Von dort ausgehend hat die globale Völkerwanderung der Neuzeit eine kontinuierliche Verbreitung in alle Welt bewirkt, mit rasch steigender Tendenz auch in die industrialisierten Regionen Nord- und Mitteleuropas hinein (4, 5, 712, e6).

Ein Merkmal der sich verändernden, multiethnisch geprägten Bevölkerung in Deutschland ist der Anteil an 15 Millionen Einwohnern mit Migrationshintergrund (13). Mehr als 9 Millionen der zugewanderten Einwohner stammen nach WHO-Kriterien aus Hämoglobinopathie-Risikoländern mit einer je nach Region 5- bis mehr als 30-prozentigen Prävalenz heterozygoter Anlageträger (1, 3). Rein rechnerisch dürften etwa 400 000 der heute in Deutschland lebenden Menschen Hämoglobinopathie-Genträger sein.

Exakte Angaben zur Epidemiologie sind bislang nicht verfügbar, weil keine systematischen Untersuchungen zur Erfassung der Anlageträger, auch nicht der manifest erkrankten Patienten, durchgeführt wurden.

Die Erkrankungen, die infolge einer gestörten Bildung von Hämoglobin (Hb) entstehen, lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

• die Thalassämie-Syndrome
• die Hämoglobinopathien im engeren Sinne, das heißt, Hämoglobinstrukturvarianten; eine geläufige Bezeichnung ist Hb-Anomalien (4, 16, 17).

In der Ärzteschaft wird die Krankheitsgruppe der Hb-Anomalien seit einigen Jahren mit zunehmender Aufmerksamkeit verfolgt und es wird erkannt, dass dieser Problematik ein fester Platz in der Patientenversorgung gebührt. Ein zahlenmäßig belegter Überblick bezüglich Vorkommen, Spektrum und geographischer Verbreitung der Hb-Defekte ist daher auch für praktisch tätige Mediziner nützlich.

Methoden
Grundlage der vorliegenden Analyse ist die retrospektive Auswertung von Labordiagnosen, die in den Jahren von 1971 bis 2007 (jeweils einschließlich) im Hämoglobinlabor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm erstellt wurden. Mit EDTA versetzte Blutproben waren von Ärzten in Kliniken und Praxen aus der gesamten Bundesrepublik an das Labor eingesandt worden. Auftraggeber waren hauptsächlich Allgemeinärzte, Pädiater, Internisten, Laborärzte, Humangenetiker und Frauenärzte. Das Untersuchungsmaterial stammte von Patienten mit unterschiedlichen hämatologischen Befunden, die jeweils differenzialdiagnostisch Hämoglobinkrankheiten vermuten ließen.

Die Erfassungskriterien zum Migrationshintergrund, dem Herkunftsland beziehungsweise dem ethnischen Ursprung sowie das Alter und Geschlecht der Patienten wurden aus den Begleitschreiben entnommen, ebenso die hämatologischen und klinischen Basisdaten. Wenn in einem Teil der Fälle die Angaben zum Herkunftsland fehlten, wurde die Zuordnung aufgrund der Patientennamen vorgenommen, soweit diese einen plausiblen Rückschluss erlaubten.

Sämtliche Untersuchungsergebnisse wurden Jahr für Jahr durch retrospektives Auswerten der archivierten Patientenakten sowie der sorgfältig geführten Laborbücher dokumentiert, gezählt und tabelliert. Unvollständige Daten wurden über telefonisches Nachfragen und Einholen von Arztbriefen nachgetragen.

Grundangaben zu Alter und Geschlecht wurden innerhalb dieser Arbeit nicht ausgewertet.

Zur Abgrenzung der Immigranten von den deutschstämmigen Patienten wurden diejenigen als Einwanderer klassifiziert, deren Herkunft einem der Länder entsprach, die in den Tabellen des Statistischen Bundesamtes unter dem Begriff Migrationsstatus aufgelistet waren (13).

Die hauptsächlichen Fragestellungen zur Blutfarbstoffuntersuchung betrafen hypochrome, mikrozytäre Anämien nach Ausschluss eines Eisenmangels und ursächlich unklare Hämolysen. Eine vollständige Indikationsliste befindet sich in Kasten 1 (gif ppt).

Die analytischen Methoden des Labors umfassten ein großes, im Laufe der Zeit regelmäßig erneuertes Repertoire an speziellen hämatologischen, Protein-chemischen (Elektrophoresen, Chromatographien), funktionsanalytischen (zum Beispiel O2-Affinität) und molekulargenetischen Untersuchungsverfahren. Ausführliche methodische Einzelheiten wurden mehrfach veröffentlicht (1416) und werden im Internet (eSupplement) zur Verfügung gestellt.

Bereits ab den 1980er-Jahren waren die methodischen Entwicklungen des Labors abgeschlossen. Modifikationen ergaben sich durch apparative Modernisierungen und Vereinfachungen. Wesentliche Änderungen im Bezug auf Sensitivität und Spezifität konnten vermieden werden.

Die Qualitätssicherung basierte auf der langjährigen Mitarbeit in amerikanischen und englischen Hämoglobinopathie-Zentren (1. ICSH-Expert Panel Abnormal Hemoglobins, University of Texas, Medical Branch Gulveston, Texas and Center for Disease Control, Atlanta Georgia USA [1975]. 2. Studiengruppe “Basic Laboratory Methods of Hemoglobinopathie Detection”, Dept. of Cell and Mol Biology, Augusta, Georgia USA [1990]. 3. ICSH-Projekt „Estimations of fetal haemoglobin”, Royal Postgraduate Medical School London [1991]) sowie auf der Teilnahme an den deutschen Ringversuchen von Instand e.V.

Im Rahmen wissenschaftlicher Projekte wurden viele der zuvor im eigenen Labor diagnostizierten Thalassämie-Syndrome und Hb-Anomalien durch den Nachweis der jeweiligen Gendefekte zusätzlich gesichert (20, 21).

Ergebnisse
Die wichtigsten Ergebnisse der Langzeitstudie sind in Tabelle 1 (gif ppt) zusammengestellt. Insgesamt wurden 100 621 Blutproben untersucht. Etwa drei Viertel stammten von Erwachsenen, ein Viertel von Kindern aller Altersstufen.

Bei 34 228 Patienten (34,0 %) ergab die Hb-Analyse pathologische Befunde. Erwartungsgemäß entfiel der Hauptanteil von 29,6 % auf Patienten mit Migrationshintergrund. Die Thalassämie-Syndrome waren mit 25,6 % die größte Gruppe, wohingegen die anomalen Hb-Varianten, allen voran die Sichelzellsyndrome, bei 8,4 % der Patienten gefunden wurden. Der Anteil positiver Diagnosen bei den Deutschen lag bei immerhin 4,4 % des vorselektierten Kollektivs.

Eine Klarstellung und Abschätzung der Abdeckung kann mit den vorliegenden Daten nicht geleistet werden. Nicht auszuschließen ist die Möglichkeit, dass sich unter den angeblich deutschstämmigen Patienten vereinzelt Individuen mit Migrationshintergrund befanden, zum Beispiel aus Familien mit lange zurückliegender Einwanderung.

Die Ursprungsländer der Patienten und deren geographische Verbreitung in Deutschland werden in den eGrafiken 1 und 2 im Internet veranschaulicht.

Thalassämie-Syndrome
β-Thalassämien: Zugewanderte Bevölkerung
Von den verschiedenen Thalassämieformen werden in mitteleuropäischen Breiten vorwiegend die β-Thalassämien beobachtet (Tabelle 1). Diese waren bei 19 637 (26,7 %) aller Fälle mit Migrationshintergrund bei der Anämiediagnostik nachweisbar. Die Mehrzahl der Patienten stammte aus den südeuropäischen Mittelmeerländern und der Türkei. An erster Stelle steht die klassische heterozygote β-Thalassämie (= β-Thalassaemia minor) mit 18 101 Fällen (92,2 %). Auffällig war im übrigen die Heterogenität der diagnostizierten β-Thalassämien mit einem breiten Spektrum an differenten β-thalassämischen Formen. An zweiter Stelle der Häufigkeit steht mit 858 Fällen die β-Thalassaemia major, die bekanntlich zu den schwersten Manifestationsformen der Hämoglobinopathien überhaupt gehört (4, 16, 23).

β-Thalassämien: Einheimische Bevölkerung
Bei deutschstämmigen Patienten nimmt die β-Thalassaemia minor zahlenmäßig den ersten Platz ein (Tabelle 2 gif ppt). Sie war bei 3 693 (13,7 %) aller einheimischen untersuchten Patienten nachweisbar. Zusätzlich wurden bei zwei deutschstämmigen Patienten β-Thalassaemia-intermedia-Varianten gesehen.

Bei 207 deutschen Personen mit hämatologischen Merkmalen einer Thalassaemia minor wurde ein anomales Hämoglobin vom Hb-Lepore-Typ nachgewiesen. Bei 22 Patienten fand sich eine δβ-Thalassämie, die zunächst durch Familienuntersuchungen, in den letzten 10 Jahren durch Genanalysen bewiesen wurde.

α-Thalassämien: Zugewanderte Bevölkerung
Veröffentlichungen über das Vorkommen von α-Thalassämien in Deutschland beschränkten sich bislang auf Berichte über Einzelpersonen und/oder Familien. Bis Mitte der 1990er-Jahre waren im eigenen Labor 350 Patienten mit gesicherten α-Thalassämien gefunden worden (11, 16). In den letzten 10 Jahren bis Ende 2007 ist die Zahl der diagnostizierten Fälle sprunghaft auf 2 468 angestiegen, bedingt durch den vermehrten Zustrom von Menschen aus asiatischen Ländern, vor allem aus Südostasien. Die meisten α-Thalassämie-Träger hatten eine heterozygote α-Thalassämie. In 348 Fällen fanden die Autoren eine HbH-Krankheit, bei 9 Patienten ein Hb-Constant-Spring und bei 3 Neugeborenen die schwerste, letal verlaufende homozygote αo-Thalassämie, die unter der klinischen Bezeichnung des „Hb Bart’s hydrops fetalis syndrome“ bekannt ist.

α-Thalassämien: Deutsche Bevölkerung
Das Vorkommen der α-Thalassämie bei Deutschen ist selten, aber nicht unbekannt (16). Die bisher bei den Autoren beobachtete Anzahl Patienten summiert sich auf 214 Fälle (Tabelle 1), davon 14 mit einer Hb-Krankheit.

Anomale Hämoglobine
Weltweit häufige Hb-Anomalien: Zugewanderte Bevölkerung
Am häufigsten, und zwar bei insgesamt 6 225 (6,2 %) aller untersuchten Patienten fanden die Autoren in dieser Kategorie das Sichelzell-Hämoglobin. Mit dem Anstieg der Einwanderung nach Deutschland in den letzten Jahrzehnten, besonders durch die Immigranten aus der Türkei, aus Afrika, Arabien und Asien, haben die Sichelzellsyndrome erheblich zugenommen.

Nahezu die Hälfte, das heißt 3 085 der HbS-Patienten (Tabelle 3 gif ppt), war an der schwergradigen Form der Sichelzellkrankheit in ihren unterschiedlichen genetischen beziehungsweise klinischen Ausprägungen mit Gefäßverschlusskrisen und Hämolyse erkrankt. Die andere Hälfte entsprechend 3 140 Patienten formierten asymptomatische heterozygote HbS-Träger.

An zweiter Stelle der Häufigkeitsskala anomaler Hämoglobine bei den Migranten stehen mit 613 Beobachtungen die HbE-Syndrome (Tabelle 3). Von den betroffenen Patienten hatten annähernd ein Drittel eine HbE-Homozygotie. Hierbei handelt es sich um eine klinisch leichte, hypochrom-mikrozytäre Anämie, die sich nach Einnahme von Medikamenten oder bei Virusinfekten hämolytisch verstärken kann. Die heterozygote HbE-Anomalie machte sich als geringe Anämie und variable Hypochromie bemerkbar. Ein ebenso hoher Anteil betraf HbE-Kombinationsformen insbesondere mit α- und β-Thalassämien. Die Patienten stammen vor allem aus Indonesien, Indien, Thailand, Burma und Malaysia, aber auch aus den früheren UDSSR-Ländern wie Tadjikistan oder Turkmenistan.

An dritter Stelle der Häufigkeit anomaler Hämoglobine steht das HbC (525 Patienten), das mit besonders hohen Heterozygoten-Frequenzen in Westafrika vorkommt. Von Westafrika aus begann die Verbreitung von HbC in alle Welt. Die homozygote HbC-Krankheit geht mit einer leichten bis mittelschweren hämolytischen Anämie einher; bei der HbC-Heterozygotie findet man keine hämatologischen Veränderungen.

In Tabelle 3 werden besonders im Zusammenhang mit den HbS- und HbE-Anomalien die Kombinationsformen verschiedener Hämoglobinopathien, zum Beispiel HbSC, beziehungsweise mit Thalassämien, zum Beispiel HbE/α-Thalassämie, angegeben. Diese manifestieren sich als primäre, genetisch determinierte Mehrfacherkrankungen mit vielfältigen Erscheinungsbildern und sind relativ häufig, weil viele der Hb-Defekte in den gleichen Populationen vorkommen und oft gemeinsam vererbt werden.

Weltweit häufige Hb-Anomalien: Deutsche Bevölkerung
Von den weltweit häufigen Hb-Anomalien sind bislang in der deutschen Bevölkerung weder das HbS noch das HbC beobachtet worden, auch nicht in der Nachkommenschaft aus partnerschaftlichen Verbindungen von Deutschen und Migranten. Demgegenüber fanden die Autoren 84 heterozygote HbE-Träger deutscher Abstammung (Tabelle 3).

Schon ab den 1970er-Jahren fielen den Autoren die ersten HbD-Anomalien bei deutschen Personen auf (11). Es handelt sich hauptsächlich um die Varianten HbD Punjab und HbD Ibadan.

Weltweit seltene Hb-Anomalien
Vollständige Listen der im eigenen Labor gefundenen seltenen Hb-Anomalien in der deutschen und in der zugewanderten Bevölkerung sind in den eTabellen e1 (gif ppt) und e2 (gif ppt) im Internet aufgeführt.

Bei den pathologischen (krankmachenden) Hb-Defekten handelte es sich in vielen Fällen um schwere hämatologische Erkrankungen, jeweils mit ausgeprägten, nicht selten transfusions- oder anderweitig therapiebedürftigen Anämien.

Auf einige Ergebnisse soll besonders hingewiesen werden: Die größte einheitliche Gruppe der seltenen Hämoglobinopathien bilden in der vorliegenden Untersuchungsserie die instabilen Hämoglobine, allen voran das Hämoglobin Köln beziehungsweise die Hb-Köln-Krankheit (hämolytische Heinz-Körper-Anämie). Hiervon waren 103 deutsche beziehungsweise 25 ausländische Patienten betroffen.

An zweiter Stelle der Häufigkeit klinisch relevanter, seltener Hb-Anomalien stehen die Formen mit Störungen der Sauerstofftransportfunktion des Blutes, die sich mit Erythrozytosen meist mittleren Schweregrades bemerkbar machen.

Nach wie vor an dritter Stelle stehen die pathologischen Methämoglobine (HbM-Anomalien). Der Prototyp, das Hb Hörlein-Weber, benannt nach den Entdeckern, wurde als weltweit erste Blutfarbstoffanomalie überhaupt bereits 1948 in Deutschland identifiziert (24).

Diskussion
In Deutschland wurden die ersten Hb-Analysen zur Entdeckung und Identifizierung anomaler Blutfarbstoffvarianten und Thalassämie-Syndrome von dem pädiatrischen Hämatologen K. Betke und seinem Mitarbeiter E. Kleihauer bereits 1959 in Freiburg durchgeführt. Damit wurde der Aufbau eines neuen hämatologischen Spezialgebietes initiiert (5, 16). Über viele Jahre wurden die entsprechenden Erkrankungen als exotische Besonderheiten betrachtet (7, 11, 22).

Durch die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit wird erstmals ein zahlenmäßig größerer Überblick über Vorkommen und Spektrum der Hämoglobinopathien bei der heute in der Bundesrepublik lebenden Bevölkerung vermittelt. Es muss aber betont werden, dass diese Untersuchungen nicht die Kriterien einer epidemiologischen Studie erfüllen und insofern nicht repräsentativ sind, sondern dass sie allein auf Labordiagnosen eines größeren Patientenkollektivs mit hämatologischen Erkrankungen basieren. Es ist nicht auszuschließen, dass angeblich deutschstämmige Patienten doch einen Migrationshintergrund aufweisen und andersherum.

Mit dem Nachweis von mehr als 30 000 betroffenen Personen, entsprechend 34 % von rund 100 000 Probanden, kann hinreichend belegt werden, dass Hämoglobinkrankheiten in der stark durch Zuwanderung geprägten deutschen Bevölkerung, ein relevantes Thema der Medizin darstellen.

Zur Frage der Häufigkeit könnte man rechnerisch zu folgenden Schätzwerten gelangen: In Deutschland leben heute etwa 9 Millionen Menschen, die ursprünglich aus den Hauptverbreitungsgebieten der Hämoglobinopathien stammen, mit einer mittleren Prävalenz von 4,5 % Genträgern (1, 3, e6). Daraus ergäbe sich in der hiesigen Wohnbevölkerung ein Anteil von circa 400 000 Personen als potenzielle Hämoglobinopathie-Genträger.

Konsequenzen für die Migranten
Die Häufigkeit, Verbreitung und Vielfalt der Hämoglobinopathien haben sich im Laufe der Zeit verändert. Neue Entwicklungen ergaben sich in den letzten Jahren daraus, dass zusätzlich zu den frühen Migranten aus dem Mittelmeerraum viele Menschen aus afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern zuwanderten. Infolgedessen ist nicht nur die Zahl sondern auch die genetische und klinisch-hämatologische Heterogenität der Hämoglobindefekte enorm angestiegen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die starke Zunahme der HbE-Anomalien und der α-Thalassämie, beides Hb-Defekte mit großer Häufung in Südostasien und China. Als praktische Konsequenz ergibt sich die Notwendigkeit, zuvor unbekannte diagnostische, therapeutische und präventivmedizinische Aufgaben zu bewältigen.

In jedem Fall ist eine differenzierte Aufschlüsselung der Thalassämie-Typen beziehungsweise der Hb-Varianten im Speziallabor als Grundlage für die Erstellung der Therapiekonzepte erforderlich. Die Betreuung betroffener Patienten erfordert eine enge Kooperation vom Hausarzt mit einer Reihe von Spezialdisziplinen (Internist, Kinder- und Jugendarzt, diagnostisch und klinisch spezialisierter Hämatologe, Molekular- und Humangenetiker, Gynäkologe, Arbeitsmediziner, psychosoziale Dienste). Leitlinien stehen sowohl für die Patienten als auch für die Erwachsenenmedizin zur Verfügung (www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/025–016.htm/-017.htm).

Eine approximative Kalkulation ergibt folgende Größenordnung dauerhaft therapiebedürftiger Hämoglobinkranker: Addiert man allein die in der vorliegenden Langzeitstudie in den letzten beiden Jahrzehnten diagnostizierten Fälle von β-Thalassaemia major, dominanten thalassämischen Hämoglobinopathien, schwer verlaufenden α-Thalassämieformen, Sichelzellsyndromen sowie HbC- und HbE-Krankheiten, ergibt sich die Zahl von mehr als 3 000 dokumentierten Patienten mit dem Bedarf einer lebenslangen, intensiven ärztlichen Betreuung.

Konsequenzen für die deutschstämmige Bevölkerung
Mit dem Beleg einiger tausend Thalassämien und einiger hundert anomaler Hämoglobine konnte bestätigt werden, dass Blutfarbstoffdefekte wie in allen nicht endemisch betroffenen Populationen regelmäßig nachgewiesen werden. Es gilt jedoch weiterhin, dass sie in diesen Populationen selten vorkommen.

Für Einwanderer und Deutsche sollte die Diagnostik generell und hinsichtlich des Prozedere in jedem Fall auf klaren Indikationen und Fragestellungen aufgebaut sein.

Nicht sinnvoll und wirtschaftlich bedenklich ist die zunehmend praktizierte ungezielte Blutfarbstoffanalyse oder sogar DNA-Analyse bei jedem Patienten zur Anämieabklärung, gleichsam als Schrotschuss-Automatismus. Die Bewertung von Blutbild und Eisenhaushalt bei den hypochromen Anämien und die Basis-Hämolyse-Diagnostik bei hämolytischen Anämien stehen vor einer Hb-Analyse. Als einfache Regel für deutsche Patienten ist festzuhalten, dass nur bei jeder anderweitig nicht klärbaren hämolytischen Anämie an ein instabiles Hb, zum Beispiel Hb Köln gedacht werden sollte. Bei jeder eindeutig „hämatologisch“ bedingten Erythrozytose nach Ausschluss der Polycythaemia vera sollte ein pathologisches Hämoglobin mit erhöhter Sauerstoffaffinität in Betracht gezogen werden und bei nicht durch einen Eisenmangel bedingten hypochromen Anämien ein Thalassämie-Syndrom.

Resümee
Zweifelsohne haben die wissenschaftlichen und vor allem auch die praktisch-medizinischen Kenntnisse über die Hämoglobinopathien auch in Deutschland zugenommen. Wünschenswerte Verbesserungen gibt es jedoch auf vielen Gebieten. Im Bereich der Diagnostik wären das etwa eine stärkere Orientierung an den empfohlenen Richtlinien zur hämatologischen und molekulargenetischen Untersuchung (14, 15, 1719) der Erkrankten und der heterozygoten Anomalieträger. Auch wären Optimierungen in der genetischen Beratung der Betroffenen erstrebenswert. Besonders in der Geburtshilfe ist die große Zahl der asymptomatischen Trägerinnen eine besondere Herausforderung (Richtlinien siehe Kasten 2 gif ppt). Für therapeutische Entscheidungen wird auf die oben angegebenen Leitlinien und einige neuere Publikationen verwiesen (12, 22, 25).

Ziel dieser Arbeit ist eine Steigerung der Kenntnisse vor allem für die praktische Medizin. Sie ist auch ein Angebot zur Orientierung hinsichtlich der zahlreichen und verschiedenartigen im deutschen Vielvölkerstaat „eingebürgerten“ Hämoglobindefekte und zur Bewältigung der Probleme mit den dadurch bedingten Erkrankungen.


Die Autoren widmen diese Arbeit Herrn Prof. Dr. med. Dr. hc. K. Betke zum 95. Geburtstag.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 8. 12. 2008, revidierte Fassung angenommen: 14. 8. 2009

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Elisabeth Kohne
Hämoglobinlabor Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Kinder und Jugendmedizin
Eythstraße 24
89075 Ulm
E-Mail: elisabeth.kohne@uniklinik-ulm.de


Summary
Hemoglobinopathies in Germany—A Longitudinal Study Over Four Decades
Background: Hemoglobinopathies are among the more common hereditary diseases worldwide, with high prevalence in the Mediterranean basin, Africa, and Asia. Although they are rare in the indigenous central European population, they have become much more common in Germany recently through the immigration of millions of people from endemic regions.
Methods: In a long-term study (19712007), 100 621 hemoglobin analyses were performed and retrospectively evaluated. Basic clinical and hematological information were provided by the participat-ing physicians. The hemoglobin defects were characterized with hematological and biochemical methods, as well as by DNA analysis in selected cases (from the mid-1980’s onward). 73% of the analyses were performed in patients with an immigration background, 27% in patients of German ethnic origin.
Results: 34 228 persons, or 34% of those studied, were found to have a hemoglobinopathy. Most cases involved thalassemia syndromes (25 798 cases, 25.6%); the second most common type was a structural abnormality of hemoglobin (8 430 cases, 8.4%). This study provides the first broad overview of the occurrence, spectrum, and geographical distribution of hemoglobinopathies in Germany.
Conclusions: These data show that hemoglobinopathies are a relevant health problem in the population of Germany today. This is not an epidemiological study, and thus it is unknown to what extent these data are representative. Because hemoglobin defects are of widely diverse genetic and clinical types, specialized laboratory analysis is needed to diagnose them correctly and provide a basis for proper therapeutic decisions.


Zitierweise: Dtsch Arztebl Int 2010; 107(5): 65–71
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0065

@Mit „e“ gekennzeichnete Literatur:
www.aerzteblatt.de/lit0510

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

eSupplement, eTabellen und eGrafiken unter:
www.aerzteblatt.de/artikel10m0065
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