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LNSLNS Dem Operateur zeigt sich beim kongenitalen Hodenhochstand oft ein komplexes Bild des offensichtlichen Entwicklungsrückstands: Der Funikulus ist regelmäßig durch einen offenen Prozessus vaginalis eingescheidet – bis hin zur im Prinzip „intraperitonealen“ Lage. Hoden und Nebenhoden sind gelegentlich dystroph und nicht selten weisen sie eine Dissoziation auf.

Hierdurch erklärt sich unserer Auffassung nach, dass die Hormontherapie die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllt hat.

Andererseits wird deutlich, dass die operative Therapie wegen der zarten Strukturen erhebliche chirurgische Erfahrung und Fertigkeit voraussetzt. Insofern besteht die Sorge, ob der bislang nur vermutete und nicht quantitativ fassbare Benefit einer Operation vor Abschluss des ersten Lebensjahres nicht durch eine höhere Rate an Hodenatrophien wieder aufgehoben wird. Diese Entwicklung sollte aufmerksam verfolgt werden.

Die Notwendigkeit einer sorgfältigen Untersuchung der Hodenlage kann nicht genug betont werden. Es werden immer noch zu oft Pendelhoden als operationsbedürftige Gleithoden diagnostiziert.

Die Fokussierung auf den kongenitalen Hochstand lässt die gar nicht so seltenen Patienten mit sekundärer Aszension unberücksichtigt. Deren Eltern sind durch die verfügbaren Informationen, etwa aus dem Internet, oft verunsichert angesichts des vermeintlichen Risikos der Infertilität und späterer Entartung, vor allem weil die Söhne die vorgegebene Altersgrenze meist lange überschritten haben. In diesen Fällen ist eine differenzierende und beruhigende Beratung geboten, da ein „Primärschaden“ nicht vorliegt (Leitlinien).

Im Hinblick auf die Langzeitfolgen und auf die Behandlung durch Ärzte unterschiedlicher Fachgruppen und Institutionen wäre eine intensivere interdisziplinäre Zusammenarbeit wünschenswert, um die offenen Fragen klären zu helfen.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0073a

Dr. med. Karl Becker
Prinz-Albert-Straße 26
53113 Bonn
E-Mail: drkarlbecker@aol.com
1.
Mathers MJ, Sperling H, Rübben H, Roth S: The undescended testis: diagnosis, treatment and long-term sequelae [Hodenhochstand: Diagnostik, Therapie und langfristige Konsequenzen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 527–32 VOLLTEXT
1. Mathers MJ, Sperling H, Rübben H, Roth S: The undescended testis: diagnosis, treatment and long-term sequelae [Hodenhochstand: Diagnostik, Therapie und langfristige Konsequenzen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 527–32 VOLLTEXT

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