ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2010Morphologische Befunde
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Pathogenese des Hodenhochstandes ist unklar und wohl multifaktoriell bedingt. Das Ausmaß der Hodenveränderungen wie zum Beispiel die herabgesetzte Zahl der Spermatogonien pro Tubulusquerschnitt, der mangelnde Tubulusdurchmesser, die Hodenfibrose hängen einmal von der Lage der Gonaden ab. Bauchhoden haben die schwersten Läsionen. Zum anderen ist das Alter der Patienten zum Zeitpunkt der Operation relevant. Je älter die Knaben bei der Operation sind, umso ausgeprägter sind die Veränderungen. Die unphysiologische Lage der Gonaden beeinträchtigt die normale Hodenentwicklung in der Jugend und führt zu einer Zunahme der bestehenden Läsionen. Gravierend ist die Abnahme der Spermatogonien, die die Chance für eine spätere Fertilität mindert.

Auch Patienten mit einseitigem Hodenhochstand können eine eingeschränkte Fertilität oder Infertilität aufweisen. Bei der unilateralen Hodenretention zeigt in einem Drittel der Fälle auch der skrotale Hoden die gleichen schweren Veränderungen wie die retinierte Gonade.

Die „Zunahme“ der Spermatogonien nach GnRH-Therapie ist möglicherweise nur scheinbar, da diese Zellen unter Hormontherapie stimuliert werden und damit besser sichtbar sind.

Bei der sogenannten „Hodenaplasie“ liegt keine echte Aplasie vor. Dieser etablierte Begriff ist irreführend. Die primär angelegten Gonaden sind sekundär partiell oder komplett vernarbt, ohne dass sich hierfür in der Regel eine Ursache eruieren lässt.

Die Ursache der erhöhten Inzidenz von Keimzelltumoren beim Hodenhochstand ist nicht geklärt. Atypische Keimzellen in retinierten präpuberalen Hoden wurden unseres Wissens bisher nicht nachgewiesen.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0073b

Prof. Dr. med. Fritz Städtler
Friedrich Forster Weg 9
28355 Bremen
E-Mail: fro-staedtler@web.de
1.
Städtler F, Helpap B: In: Remmel W (eds.): Pathologie. Männliches Genitale. Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 2nd edition, 1997; 1–94.
2.
Mathers MJ, Sperling H, Rübben H, Roth S: The undescended testis: diagnosis, treatment and long-term sequelae [Hodenhochstand: Diagnostik, Therapie und langfristige Konsequenzen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 527–32 VOLLTEXT
1. Städtler F, Helpap B: In: Remmel W (eds.): Pathologie. Männliches Genitale. Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 2nd edition, 1997; 1–94.
2. Mathers MJ, Sperling H, Rübben H, Roth S: The undescended testis: diagnosis, treatment and long-term sequelae [Hodenhochstand: Diagnostik, Therapie und langfristige Konsequenzen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 527–32 VOLLTEXT

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
  • Hrivatakis, Georg; Astfalk, Wolfgang; Schmidt, Andreas; Hartwig, Andreas; Kugler, Thomas; Heim, Thomas; Clausner, Axel; Frunder, Albrecht; Weber, Harduin; Loff, Steffan; Fuchs, Joerg; Ellerkamp, Verena
    Deutsches Aerzteblatt Online, 2014
    10.3238/arztebl.2014.0649

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote