ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2010Randnotiz: Gewartet, bis kein Arzt kam

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Randnotiz: Gewartet, bis kein Arzt kam

Dtsch Arztebl 2010; 107(5): A-167 / B-147 / C-143

Flintrop, Jens

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LNSLNS „Hat das DRG-System nun auch Indien erreicht?“, fragt Priv.-Doz. Dr. med. Nikolaus Haas in einer E-Mail an die Redaktion. Im Anhang schickt der Kinderkardiologe eine Meldung aus der „Times of India“: „Injured man dies after 20-day wait at hospital gate“, lautet die Überschrift des Artikels.

Berichtet wird, dass ein 45 Jahre alter Mann in Chennai wegen einer Beinverletzung zunächst in einem öffentlichen Krankenhaus behandelt worden war, aber dann vom Personal auf die Straße gesetzt wurde. „Wahrscheinlich war die obere Grenzverweildauer überschritten“, mutmaßt Haas. Trotz Proteste des Mannes erfolgte keine Wiederaufnahme. Er musste unversorgt in der prallen Sonne ausharren – bis er nach 20 Tagen verblutet war. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Ärzte den Mann erst nach 30 Tagen wieder aufnehmen wollten“, schreibt der Oberarzt des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen – „droht doch im DRG-System bei zu frühzeitiger Wiederaufnahme die Gefahr, dass beide Fälle zusammengefasst werden und somit nur ein Entgelt erstattet wird“.

Nein, lieber Leser, in Indien werden Krankenhausleistungen nicht nach DRG vergütet. Jedoch trägt dort die Gesellschaft nicht die Behandlungskosten für arme Menschen mit – eine soziale Errungenschaft, die hierzulande vielleicht nicht genug gewürdigt wird.

Mittelfristig ist es aber durchaus möglich, dass die Diagnosis Related Groups auch Indien erreichen; ist doch das deutsche DRG-System auf dem besten Weg, ein Exportschlager zu werden: Die Schweiz und Zypern wollen das Modell einführen. Auch eine chinesische Delegation hat sich bereits in Deutschland über die Vorzüge des Systems informiert.
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