ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Gentechnik: Phantastische Zusammenhänge konstruiert

SPEKTRUM: Leserbriefe

Gentechnik: Phantastische Zusammenhänge konstruiert

Kühn, Michael

Zu dem Beitrag "Kampagne gegen ,Gentechnik' - und wer dahintersteckt" von Hans-Joachim Maes in Heft 19/1997
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LNSLNS In dem Artikel wird der Eindruck erweckt, Greenpeace sei von der Maharishi-Sekte unterwandert und sei auf einen von dieser Sekte in Gang gesetzten Zug gegen Gentechnik aufgesprungen.
Wir verwahren uns gegen diese Unterstellungen. Sie sind abwegig, unseriös und aus der Luft gegriffen. Der Autor hat keine klaren Belege vorzuweisen, sondern stellt einfach Fragen in den Raum. Greenpeace ist als unabhängige, internationale und gewaltfreie Umweltschutzorganisation dem Schutz der Natur gegen Eingriffe des Menschen verpflichtet. Nach dem Selbstverständnis der Organisation, vor allem durch die Unabhängigkeit von politischen Parteien und den Interessen der Industrie, ist gewährleistet, daß Greenpeace weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft mit der Maharishi-Sekte gemeinsame Aktivitäten durchgeführt hat oder durchführen wird. Was der Autor verschweigt: Greenpeace hat sich bereits im Oktober 1996 schriftlich von angeblichen Gemeinschaftsaktionen mit dem politischen Zweig der Maharishi-Sekte distanziert. Ebenfalls im Herbst 1996 haben sich der BUND, die deutschen Verbraucherzentralen, Global 2000 und andere bekannte und weniger bekannte Institutionen und Organisationen gegen die Einfuhr der Gensoja gewandt. Der Logik des Autoren folgend, müßte auch hier die Frage erlaubt sein, ob sie auch von der Sekte unterwandert werden. Eine absurde Vorstellung.
Viele Organisationen haben im Rahmen ihrer Recherche zur Einführung genmanipulierter Soja aus den USA unter anderem auch das wissenschaftliche Material analysiert, das von der "Pure Food"-Campaign in den USA zur Verfügung gestellt wurde. Eine besondere Rolle spielte dabei ein Labor in den USA, das gentechnisch manipulierte Soja nachweisen kann. Aus dem Austausch wissenschaftlicher Daten gemeinsame Aktivitäten abzuleiten oder gar Unterwanderung zu unterstellen ist abwegig. Im übrigen hat es eine Zusammenarbeit zwischen Greenpeace und diesem Labor in der Praxis nicht gegeben, sämtliche Proben sind in Deutschland untersucht worden.
Greenpeace macht beim Thema Gensoja auf die Gefahren des Einsatzes gentechnisch manipulierter Nutzpflanzen besonders in der Landwirtschaft aufmerksam. Gentechnisch manipulierte Nutzpflanzen haben für den Verbraucher keinen Vorteil. Die Anpassung von Nutzpflanzen an die Gifte der chemischen Industrie ist für Greenpeace der falsche Weg, der vom Ziel einer umweltverträglichen, ressourcenschonenden Landwirtschaft wegführt. Der Landwirt gerät in eine doppelte Abhängigkeit, einmal beim Kauf des manipulierten Saatguts und ein weiteres Mal beim Kauf des Giftes. Greenpeace will verhindern, daß in der Zukunft einige wenige internationale Agro- und Chemiekonzerne die Kontrolle über Ernährungsressourcen haben. Deswegen muß sich der Verbraucher heute gegen den Einsatz genmanipulierter Produkte in Lebensmitteln wehren.
Greenpeace hat übrigens seine Aktivitäten gegen Gentechnik bereits im Februar 1995 gestartet, als das Europäische Patentamt das erste Patent auf genmanipulierte Pflanzen teilweise zurückziehen mußte (und nicht erst im April 1997, wie der Autor suggeriert). Damit wurde dem Patenteinspruch von Greenpeace Rechnung getragen.
Der Artikel von Hans-Joachim Maes konstruiert phantastische Zusammenhänge ohne realen Wahrheitsgehalt und diskreditiert so das gesamte Engagement gegen die Genmanipulation von Pflanzen und Tieren. Solch abwegige Kritik entlarvt sich von selbst. Greenpeace wird weiterhin auf die Gefahren und Risiken der Gentechnik hinweisen und ökologische Alternativen aufzeigen. Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen.
Michael Kühn, Greenpeace e.V., Große Elbstraße 39, 22767 Hamburg
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